Was im Leben wichtig ist von Richard Reed

Mai 17, 2018






(Original: "If I could tell you just one thing..."/ 2016) Heyne, 416 Seiten, Übersetzer/in: Dorothea Traupe (aus dem Englischen) , gebunden,  ★★★★(☆) 4 bis 5 Sterne
"Bill Gates, Judi Dench, Stephen Fry, Margaret Atwood, David Attenborough, Annie Lennox, Jude Law, Marina Abramović, Andy Murray, Patrisse Khan-Cullors – das sind nur einige von über sechzig faszinierenden Persönlichkeiten, die Richard Reed für sein Buch getroffen hat. Reed hat sie gebeten, ihren wertvollsten Ratschlag fürs Leben mit seinen Lesern zu teilen. Jede der beschriebenen Begegnungen wird ergänzt um ein eigens angefertigtes Porträt des britischen Künstlers Samuel Kerr. Was im Leben wichtig ist ist ein kluges, hochunterhaltsames Buch für alle Lebenslagen, das sich zudem sehr gut verschenken lässt."

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"Wann immer ich einen bemerkenswerten Menschen treffe, werde ich ihn nach seinem besten Rat für das Leben fragen. Das schien mir deutlich sinnvoller, als um ein Selfie zu bitten." S.11

Ratschläge bekommt man eigentlich immer auf den Weg mitgegeben. Sei es von den Eltern, Lehrern, Freunden oder anderen Mitmenschen. Ehrlich gesagt habe ich mich mit Ratschlägen aber immer schwer getan, denn was für den einen ein guter Rat ist, ist für den anderen vielleicht überhaupt nicht das Richtige. Man fühlt sich dann eher zurückgeschreckt, statt motiviert. 
Richard Reed hat aber mit seiner Sammlung von sechzig Ratschlägen bekannter und außergewöhnlicher Menschen eine kleine Motivationshilfe geschaffen, die mich tatsächlich angesprochen hat. 
Das liegt vielleicht daran, dass diese Menschen auf ihre eigene Art etwas für sich gefunden und geschaffen haben und sie dadurch individuellere Hilfestellungen geben, als man das von manchen Kalendersprüchen gewohnt ist.
Viele der Beteiligten an diesem Buch haben schwierige Zeiten durchgestanden und sind auch immer noch auf einem Weg, der ihnen einiges abverlangt, aber sie wissen, dass sie allein über ihr Glück bestimmen. Ich fand es schön zu sehen, wie vielfältig die Welt doch ist, wie viele Probleme man beseitigen kann, wenn man sich bloß auf seine eigene Willenskraft verlässt. All diese Menschen geben uns mit ihren Ratschlägen eine Botschaft mit, die man eigentlich schon kennt und vielleicht auch versucht zu verinnerlichen, aber dennoch ist das Buch an sich wahnsinnig kraftvoll. 
Ich hänge mich meist an den kleinsten Sachen auf, zweifle und grüble über winzige Details, die man meist eh nicht mehr beeinflussen kann. Wenn man dann von diesen Schicksalen liest und sie die pure Lebenslust verkörpern, fühlt man sich zuerst etwas merkwürdig, weil man seine kleinen Schwächen plötzlich als so banal ansieht. Aber das Buch hilft eben auch dabei, zu verstehen, dass man jeden kleinen Stolperstein nacheinander aus dem Weg räumen soll und dass Hindernisse für jeden etwas anderes bedeuten.

" 'Entdecke die Freude an der Verschiedenheit. Wenn die Menschen offener für das Fremde, das Ungewöhnliche, das Radikale, für das >Andere< werden, dann wird es der Menschheit besser gehen.' " S.89

Das Schöne an dem Buch ist natürlich nicht nur die positive 'Stimmung' an sich, sondern auch die Vielfalt. Die Vielfalt an Personen, an Kulturen, an Möglichkeiten anderen zu helfen.
Dieser Gedanke ist ein wirklich zentraler Punkt des Buches und ich denke, das macht es auch zu etwas Besonderem. Bei dem Buch zählt der Gedanke von Zusammenhalt. Alleine kann man seine eigenen Baustellen in Angriff nehmen, aber zusammen kann man so viel bewirken, was allen Menschen helfen könnte. Es geht um die Problematiken mit Diskriminierung, bestimmten menschenfeindlichen Gruppierungen und Krieg. Alles Entwicklungen, die auf die Einstellung von uns Menschen zurückzuführen sind, wir sollten also auch in der Lage sein, dies in den Griff zu bekommen und dem ein Ende zu setzen.
So sehr mir also die einzelnen Ratschläge gefallen haben, so schön fand ich den Gesamteindruck des Buches und die 'Aufforderung' an den Leser, sich auch kritisch mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen. 
Leugnen kann man zudem auch nicht, dass das Buch wirklich schön aufgemacht wurde. Jeder Ratschlag, beziehungsweise jedes Kapitel, welches das Treffen des Autors mit dem jeweiligen Interviewpartner aufgreift, wird durch eine ganzseitige Illustration ergänzt. Auch die gezielten Ratschläge sind immer noch einmal in einer ganz bestimmten Deutlichkeit hervorgehoben. Möchte man also irgendwann einmal wieder durch das Buch blättern oder sucht ein bestimmtes Zitat, findet man es recht einfach. 
Inhaltlich war ich zudem auch noch positiv davon überrascht, wie der Autor die Ratschläge einleitet. Ich bin davon ausgegangen, dass man quasi einfache Monologe der Gesprächspartner vorfindet und es etwas an 'Unterhaltung' einbüßt oder es wie eine 'One-man Show' daherkommen könnte. Aber weit gefehlt. Der Autor schildert jedes Treffen und die Vorkenntnisse zur jeweiligen Person auf angenehme und unterhaltsame Weise. Manchmal war ich mir zwar nicht ganz sicher, ob alle Äußerungen unbedingt hätten sein müssen (z.B. dass er erwähnen musste, dass bei einer Person ein Training mit der natürlich 'heißen' Tennislehrerin anstand - zwei Mal), aber das ist wohl auf den gewollt 'scherzhaften' Unterton zurückzuführen.

'Niemand sagte, dass eine entstellte Frau immer noch heiraten und Kinder haben, dass sie sexy sein, Firmenchefin, Pionierin oder führende Modedesignerin werden könnte. Ich beschloss daher, mich mitten ins Leben zu werfen und nach allem zu greifen, was ich wollte. Die Erwartungen der anderen waren ohnehin niedrig.” S.130


Sechzig Ratschläge bekannter und außergewöhnlicher Menschen, die glücklicherweise nicht klingen, wie abgedroschene Kalendersprüche. Jedes Portrait ist gefüllt mit interessanten Anekdoten und motivierenden Schicksalen. Besonders schön zu sehen, dass der Autor darauf achtet die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Menschen hervorzuheben. Besonders schön: Es sind nicht nur Stars und Sternchen die befragt werden, sondern Menschen die anderen helfen und wichtige Geschichten zu erzählen haben.


 Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Das babylonische Wörterbuch von Joaquim Maria Machado de Assis

Mai 11, 2018



(Original: verschiedene Titel, da einzeln publiziert / 1882-1906) Manesse, 256 Seiten, Übersetzer/in: Marianne Gareis und Melanie P. Strasser (aus dem brasilianischen Portugiesisch) , gebunden,  ★★★★☆ 4 Sterne
"Was wäre geschehen, hätte nicht Jesus die Bergpredigt gehalten, sondern der Teufel? Was, wenn Männer und Frauen ihre Seelen und Rollen tauschten? Joaquim Maria Machado de Assis, berühmtester Klassiker Brasiliens und Vorbote des Magischen Realismus, stellt in seinen Erzählungen ironisch alle Konventionen auf den Kopf. Lustvoll spielt er mit den Erwartungen seiner Leser und lotet Grenzen aus: von Gut und Böse, Vernunft und Wahnsinn, bürgerlichem Schein und Sein. Dieser Auswahlband versammelt Machado de Assis' beste Geschichten – allesamt Neu- und deutsche Erstübersetzungen – zu einem Panorama kompromissloser Originalität."

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"Ich sage nicht, zu welcher Zeit das war, weil in dieser Erzählung alles geheimnisvoll und verknappt sein wird." S.43

Dieser kleine Erzählband bringt im Nachwort viele Lobeshymnen in Bezug auf Joaquim Maria Machado de Assis ins Spiel. Ein bekannter Bewunderer seiner Texte war zum Beispiel Stefan Zweig, welcher die Erzählungen entdeckt hat, als er selbst in Brasilien gewesen ist und auch Jorges Luis Borges bringt man mit Machado de Assis in Verbindung, weil Aspekte des Magischen Realismus vorzufinden sind.
Den positiven Stimmen kann ich mich größtenteils nur anschließen, denn die Erzählungen sind sehr vielschichtig und abwechslungsreich, unterhalten gut, sind aber gleichzeitig oft an der Grenze zum Verstörenden. Dadurch entsteht eine ganz eigene Anziehungskraft, die den Leser fesselt. Einerseits fühlt man sich oft von den Figuren abgestoßen, ihre Handlungen kann man und will man manchmal gar nicht nachvollziehen, denn sie offenbaren etwas Geheimnisvolles, wie auch Schreckliches und doch ist man von der Konstruktion der Erzählungen angetan und zum Schluss auch von der Aussage der Texte. 
Im Nachwort wird es erwähnt und ich kann mich dem nur anschließen, dass Machado de Assis stark mit den verschiedenen Gegensätzen spielt, die den Menschen ausmachen oder beschäftigen. Gut und Böse, Schein und Sein, Wahrheit und Fiktion. 
Dabei fällt auf, dass, obwohl sich die Geschichten von der Intensität ähneln, sie alle andere Schwerpunkte haben. Einige sind düsterer, andere sind ernst, aber vermischt mit einer Portion Ironie und Witz und andere sind sehr märchenhaft.

"Eines Tages, so heißt es in der alten Benediktinerhandschrift, kam der Teufel auf die Idee, eine Kirche zu gründen. zwar wuchs sein Reichtum unaufhörlich und in großem Maße, doch es demütigte ihn, dass er seit Jahrhunderten ein bloßes Schattendasein fristete, ohne Ordnung, ohne Regeln, ohne Kanon, ohne Rituale - nichts dergleichen." S.122

Mir persönlich haben im Großen und Ganzen alle Erzählungen gut gefallen. Mit einigen, so ist es ja bei solchen Bänden ja in den meisten Fällen, konnte ich aber mehr anfangen. "Die Wahrsagerin" gefiel mir dabei unter anderem besonders. Auch hier greife ich kurz auf das Nachwort zurück, denn dort wird die Erzählung so beschrieben, dass der Fokus auf der Beziehung der Liebenden beziehungsweise dem Ehebruch liegt. Für mich hatte die Geschichte aber noch viele andere starke Interpretationsmöglichkeiten. Zum Beispiel wie sich Menschen von der eigenen Intuition leiten lassen und versuchen in allem ein Zeichen für etwas Gutes oder Schlechtes zu finden oder dass sie ihr Fehlverhalten immer irgendwie versuchen zu rechtfertigen und abzumildern.
Auch andere Erzählungen greifen die Beziehung zwischen Mann und Frau des Öfteren auf, etwa in Hinblick auf den 'Beginn' der Sünden oder der Frage, welches Geschlecht die Seele trägt.
Andere Kapitel spielen hingegen mit den Möglichkeiten der Wissenschaft und dem Drang danach, das Wissen konservieren zu wollen, egal welchen Preis man dafür zahlen müsste. Auch hier sind einige Details eher unangenehm zu lesen, was aber die Paradoxie zwischen 'etwas Gutes für die Menschheit zu schaffen' und dem 'über Leichen gehen' ganz gut aufgreift. Diese kleinen Schockmomente haben es aber letztlich so in sich und treten so wuchtig auf, dass man sich als Leser in diesen Erzählungen gefangen fühlt. 
Es fallen zudem oftmals Verweise, die sich auf andere literarische Texte stützen (die Intertextualität macht auch bei Shakespeare keinen Halt). Die Anmerkungen am Ende helfen zwar recht gut für den ersten Eindruck, aber ich habe danach die Lust verspürt, mich doch näher mit der Hintergrundgeschichte auseinanderzusetzen und zu verstehen was den Autor auch in Hinblick auf die brasilianische Geschichte bewegt und was ihn zu den Erzählungen motiviert hat.
Ein weiteres wiederkehrendes Thema in den Erzählungen ist die Religion und ihre religiösen Schriften. Vieles wird sicherlich mit einem Augenzwinkern erzählt, einiges zeigt ganz gut auf, dass sich die Menschen mit den biblischen Versen einfach manchmal zu ernst nehmen. Die Geschichten sind aber niemals so geschrieben, dass man sie als fanatisch ansieht, obwohl gerade die Figuren diese Eigenschaft besitzen und sie nach außen tragen.

“So geschah es. Alpha und Omega zogen sich zurück, und nach Ablauf von drei Monaten überreichten sie den bangen Händen das vollendete Werk, das den Namen Babylonisches Wörterbuch trug - zu Recht, denn es war die buchstäbliche Sprachverwirrung.” S.103


Ein Erzählband mit (wie passend) dreizehn kurzen Geschichten, die einen unterhalten und in ihren Bann ziehen, sei es auch durch ihre groteske und düstere Art. Andere Erzählungen wiederum sind unterhaltsam verfasst und zeigen augenzwinkernd die doch oftmals absurden Verhaltensweisen der Menschen auf. Religiöse, wie auch intertextuelle Verweise findet man häufiger, aber immer verständlich und mit einigen Anmerkungen am Ende versehen. Generell sind die Erzählungen schon recht speziell, aber eine Kunst für sich.


 Vielen Dank an den Manesse Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

April: Vergessene Autoren, viele Tiere und einige Kurzgeschichten

Mai 03, 2018








Der April wird mit einem "April, April" eingeleitet und endet mit dem "Tanz in den Mai", langweilig kann man den Monat also eigentlich nicht nennen. Auch meine Buchauswahl war keineswegs uninteressant, im Gegenteil. Einige Geschichten haben mich aufgewühlt, andere haben mich gut unterhalten und andere wiederum waren einfach nur schön zum Anschauen, weil sie durch Illustrationen zu einem Hingucker wurden.
Zwei Bücher sind genau genommen noch aus dem Lesemonat März, allerdings war ich da so mit der Lernphase beschäftigt, dass sich ein Monatsrückblick nicht gelohnt hatte. Ich bin mehr als erleichtert, dass ich die letzte Klausur nun auch geschafft habe und mir nur noch Hausarbeiten bevorstehen. Sicherlich wird sich die Lesezeit dann aber wieder etwas verkürzen.

Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite.

“The Nest” von Cynthia D´Aprix Sweeney: Um dieses Buch bin ich schon sehr lange herumgeschlichen. Viele haben es gelobt und weiterempfohlen, daher wollte ich mich nun auch selbst davon überzeugen. Grundsätzlich habe ich auch jetzt noch eine sehr positive Erinnerung daran. Die Idee war relativ gut umgesetzt und die Handlung an sich war auch nie 'langweilig', allerdings ist es auch kein Buch, welches mich komplett atemlos zurückgelassen hat. Dennoch ist es eine schöne Geschichte über die Funktion der Familie und der Frage, ob man sich von der Familie lösen kann und sollte.

"The Book of Forgotten Authors" von Christopher Fowler: Ein schönes Buch für zwischendurch, wenn man sich neue Inspirationen zu Lesevorräten holen möchte. Schön fand ich, dass alle Kapitel zu den einzelnen Autoren von Kapiteln eines Themas aufgelockert wurden. Schwierig fand ich hingegen, dass oftmals doch einiges an Vorwissen gefragt ist, wenn der Autor versucht einen Schreibstil mit einem anderen zu vergleichen und man diesen nicht kennt. Dann müsste man sich einfach nach Bauchgefühl entscheiden, ob man das Buch und den Autor wohl gut finden würde oder man muss zusätzlich etwas recherchieren. Grundsätzlich sind aber alle Autoren und deren Werk ganz schön zusammengefasst und es wurde darauf geachtet, bestimmte Charakteristika hervorzuheben, wenn dies möglich war.

“The Lark” von E. Nesbit: Eine wirklich schöne Erzählung, perfekt für die folgenden Sommertage. Man kann sich die blumige Landschaft und die Protagonisten sehr gut vorstellen und ich bekam sofort eine gewisse Leichtigkeit, die sich schön an die Handlungen angepasst hat. Es freut mich, dass das Buch nun in der Penguin Women Writers Serie wieder neu verlegt wird.

“The little Mermaid & Other Fairy Tales” von Hans Christian Andersen: Die Märchen von Andersen kennen wohl die meisten. Sei es "Des Kaisers neue Kleider", "Däumeline" oder eben "Die kleine Meerjungfrau". Ich persönlich liebe seine Märchen und war hin und weg, als bekannt gegeben wurde, dass MinaLima diese als illustrierte Ausgabe herausbringen wird. Die meisten interaktiven Elemente fand ich auch sehr geglückt, andere wiederum hätte ich mir vielleicht doch etwas ausgefallener gewünscht.

“Big Pig, Little Pig” von Jacqueline Yallop: Ein Buch, welches mich diesen Monat eher etwas verärgert zurückgelassen hat. Anfangs schildert die Autorin noch alles schön und unbefangen, schwärmt sogar von ihrer Liebe zu den Tieren, die sie gekauft hat. Das Ende war für mich dann einfach nur noch unverständlich und zeigte das Problem in unserer Gesellschaft auf. Nämlich, dass Menschen Tiere immer noch nicht so wertschätzen wie sie es sollten, obwohl sie sagen, dass sie sie lieben.

“Dr. Jekyll and Mr. Hyde” von Robert Louis Stevenson: Auch im April hatte ich wieder Lust einen Klassiker zu lesen. Diesmal fiel die Wahl auf "Dr. Jekyll and Mr. Hyde" und auch diese kurze Erzählung hat mir sehr gut gefallen. Hier steht der Mensch im Fokus, der sich damit auseinandersetzt, ob man seine "guten" und "bösen" Seiten wirklich voneinander lösen und nur eine existieren kann.


“The Early Stories of Truman Capote” von Truman Capote: Von diesem kleinen Buch war ich wirklich sehr überrascht. Capotes frühe Kurzgeschichten haben mir wirklich ganz gut gefallen. Hilfreich war aber auch definitiv das Vorwort, welches noch einmal auf die Konflikte und Problemstellen hinsichtlich der Darstellung und Beziehung von Weißen und Schwarzen eingeht. Grundsätzlich enden die Geschichten aber immer mit einem kleinen Funken, der sich danach im Inneren des Lesers zu einem Feuer entfachen könnte; in dem Sinne, dass man sich mit dem letzten Satz noch in der Erzählung 'gefangen' sieht und man verstärkt darüber nachdenkt.


“A Black Fox Running” von Brian Carter: Mein erster 'Naturroman' war eine schöne Leseerfahrung. Auch wenn es doch recht rabiat zugeht und man den Fuchs-Protagonisten Wulfgar eben als Tier kennenlernt, das seiner Natur folgt und auch Mäuse und Kaninchen jagt und isst. Hinzu kommt aber die Verbindung zum Menschen, der wiederum Wulfgar versucht einzufangen. Dadurch entspinnen sich wirklich viele spannende Anhaltspunkte. Auch die Nachfolgen des Kriegs werden hier aufgegriffen und in den Kontext gesetzt. So ist das Buch keineswegs 'nur' eine nette Geschichte über einen Fuchs und ein Buch, welches sich mit detaillierten Naturbeschreibungen befasst, sondern auch tiefergehende Themen anspricht. Durch einen weiteren tierischen Freund wird der Leser auch mit philosophischen Ansichten vertraut gemacht.

“Das vergessene Fest” von Lisa Kreißler: Recht kurz und doch mit allem möglichen vollgepackt. Neulich ging erst die Rezension zu dem Buch online, daher werde ich mich hier kurz fassen. Die Geschichte war für mich anfangs etwas konfus und nicht leicht zu erschließen. Nach und nach aber fand ich die Konstruktion wirklich geglückt. Man muss sich aber etwas länger mit dem Text beschäftigen und gegebenenfalls nochmal einige Kapitel nachlesen.

“Goobye Christopher Robin” von Ann Thwaite: Hier erschien vor wenigen Tagen erst die Rezension, daher verweise ich gerne direkt darauf.

“The Skeleton´s Holiday” von Leonora Carrington: Zum Schluss habe ich es noch geschafft im Zug dieses kleine Büchlein zu lesen, das zu den Penguin Modern Classics gehört. Die Erzählungen sind wirklich sehr kurios und heben sich von der 'normalen' Welt die wir kennen, ab. Leonora Carrington ist ja auch zusätzlich als surrealistische Malerin bekannt. Dadurch sind sie aber wirklich spannend und ihre Kürze erlaubt es auch, sich anschließend etwas länger mit den Figuren zu beschäftigen, die dort auftauchen.



Goodbye Christopher Robin von Ann Thwaite

Mai 01, 2018



(Original: "Goodbye Christopher Robin"/ 2017) Pan Books, 260 Seiten, Übersetzer/in: - , Taschenbuch, Englische Ausgabe, ★★★★☆ 4 Sterne
"Goodbye Christopher Robin: A. A. Milne and the Making of Winnie-the-Pooh" setzt sich aus Ann Thwaits schon 1990 veröffentlichten Biographie zu A.A. Milne zusammen. Dies ist die Ausgabe zur wahren Geschichte hinter dem gleichnamigen Film, ergänzt durch ein Vorwort von Frank Gottrell Boyce.

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"It is not unreasonable to imagine that the child´s teddy bear (a present from Harrods on his first birthday the month before) made the journey to Burgess Hill too, in September 1921. He was not yet called Winnie-the-Pooh, but he was already a paleable presence in the household as Christopher Robin tried out his first words." S.28

Eigentlich alle kennen ihn, wenn auch vielleicht nur durch die Disney-Verfilmungen - Winnie Pooh. Aber vermutlich wissen die wenigstens genaueres über die Entstehungsgeschichte des beliebten, wenn auch tollpatschigen Bären. 
Dieses Buch gibt hinsichtlich der Biographie des Autors A. A. Milne, der Beziehung zu seinem Sohn Christopher Robin und den Ideen zu den Geschichten einige Aufschlüsse. Nach dem Lesen des Buches merkte ich jedoch schnell, dass mir vieles zu schnell ging, das Buch geht nicht sehr detailliert in die verschiedenen Lebensphasen hinein. Nach einem Blick auf die erste Seite hat sich der Eindruck bestätigt, denn das Buch ist eine gekürzte Fassung der umfangreicheren Biographie "A. A. Milne: His Life", verfasst von Ann Thwaite. 
So soll das Buch nur als Einleitung oder als Zusatz zu dem erschienenen Film "Goodbye Christopher Robin" dienen. Man muss aber sagen, dass man einen generell schönen Überblick über das Leben des Autors bekommt und auch in Ansätzen erahnen kann, wie sich die Beziehung zwischen Milne und seinem Sohn auf die Entstehung von Winnie-the-Pooh ausgewirkt hat. Ebenso bekommt man schöne 'Insiderinformationen' darüber, was mit den 'realen' Vorbildern von Winnie, Piglet, Eeyore und anderen geschehen ist, damit meine ich natürlich die wirklich damals existenten Plüschtiere, welche die Geschichten mitgestaltet haben.

"[...] and what is celebrated is community, the spirit of co-operation and kindness, most clearly seen in Winnie-the-Pooh when Christopher Robin and Pooh rescue Piglet when he is entirely surrounded by water." S.161

Ich persönlich habe das Buch sehr gerne gelesen, auch wenn man viel mehr über Milne und seine politischen Ansichten aufschnappt oder von seiner früheren Schreibkarriere, die viele Theaterstücke beinhaltet. Es ist keine sehr schwere Kost, denn wie gesagt bleibt alles eher noch an der Oberfläche, was die emotionalen Bindungen zu den Personen selbst betrifft.
Es ist aber dennoch schön zu sehen, wer alles von Winnie-the-Pooh begeistert war und sich auch dafür eingesetzt hat, genauso, wie die vielen Verweise darauf, dass besonders die Erwachsenen viel Freude daran hatten. 
In etwa der Mitte des Buches lassen sich zudem auch noch einige Bilder und Skizzen des Illustrators finden, die zusätzlich die real existierenden Fakten als Umsetzung in den Büchern aufzeigen - sprich das Grundstück und die 'Farm', die in den Geschichten auftauchen oder auch Bilder von Christopher Robin mit seinem kleinen Teddybären. Spannend war es für mich auch zu lesen, wie sich Milne und der Illustrator Shephard 'gefunden' und ihre Arbeit fortgeführt haben.
Zum Schluss wird dann auch noch einmal verstärkt auf die persönliche Meinung von Christopher Robin eingegangen, wie er sein Leben als 'beliebteste Figur in einem Kinderbuch' empfunden hat. Auch hier ist alles nicht sehr detailliert, aber man bekommt wie gesagt einen schönen Überblick und kann sich so gegebenenfalls an weitere und ausführlichere Biographien oder Entstehungsgeschichten wagen.

“And, like the first book, it was apparently not only the child´s book but the adult´s book as well. It seemed Milne´s books always had the double ability to open up the future for the child looking forward [...], and the lost past for the adult looking back. ” S.191


Unterhaltsam, recht informativ für die Länge und mit einigen Fotos und Illustrationen versehen. Als Einstieg in die Entstehungsgeschichte von Winnie-the-Pooh und als Überblick über Milnes Leben ist das Buch genau richtig, wenn man allerdings detailliertere Lebensläufe bevorzugt, sollte sich noch weitere Biographien hinzuziehen. Grundsätzlich aber ein wirklich schönes Buch, das zeigt, was so ein kleiner Bär alles ins Rollen bringen kann und wie viele Menschen solche Geschichten als Motivation brauchen.





Ein neuer Lesevorrat

April 26, 2018









So sehr man sich auch anstrengt oder vielleicht auch gerade dann, übermannt einen wieder die Lust sich mit neuen Büchern einzudecken. Es gibt so viel zu erforschen, immer kommen neue Bücher raus oder man will lang beobachtete Bücher endlich auch mal lesen und nicht nur davon schwärmen, wie die Geschichte wohl wäre. Daher hat sich der April ehrlich gesagt auch nicht wirklich zurückgehalten, was meine Kauflaune anbelangt. Glücklicherweise kosten zum Beispiel die kleinen 'Penguin Modern Classics' nicht so viel, sodass man da doch mal zuschlagen kann.

  • "The Vigilante" von John Steinbeck, Penguin Modern Classics #18
  • "The Missing Girl" von Shirley Jackson, Penguin Modern Classics #20
  • "The Skeleton´s Holiday" von Leonora Carrington, Penguin Modern Classics #24
  • "The Cracked Looking-Glass" von Katherine Anne Porter, Penguin Modern Classics #37: Wie eben erwähnt sind die ersten vier Neuzugänge kleine Büchlein, perfekt für die Zugfahrt in die Uni oder für Zwischendurch. Sie ähneln den Penguin Little Black Classics und fügen sich wunderbar in die Reihe ein, da sie nun nicht nur Klassiker, sondern auch moderne Klassiker abdecken. Zum ersten Mal gesehen habe ich sie glaube ich auf dem Instagram-Account der lieben Elif von "The Written Word" und einigen anderen Bloggern, die gerne englischsprachige Bücher lesen. Ich bin sehr gespannt, wie sich diese kleinen Ausgaben lesen werden. Die Inhaltsangaben dieser vier hört sich zumindest sehr vielversprechend an; alles klingt etwas mysteriös, heimlich und phantastisch. Wobei John Steinbeck wohl eher wieder in die gesellschaftskritische Richtung gehen wird. Da diese Ausgaben 'leider' direkt in meiner Uni-Buchhandlung vorrätig ausliegen, werde ich wohl nicht drum herum kommen noch weitere 'nachzuholen', wenn ich diese ausgelesen habe.
  • "Flush" von Virginia Woolf: Passend zu den ersten Lektüren, durfte noch ein weiterer 'Little Black Classic' einziehen. Nach dem großen Erfolg der ersten achtzig Ausgaben folgten darauf noch weitere Bände, welche sich auch in ihrer Seitenanzahl gesteigert haben. In dieser Erzählung geht es um die  Biographie eines Haustiers, nämlich Elizabeth Barrets Hund. Da ich diese scheinbar unterhaltsame 'Biographie' schon immer gerne lesen wollte und sie ebenfalls vorrätig war, durfte sie spontan mitkommen.
  • "Main Street" von Sinclair Lewis: Dieses und das gleich folgende Buch sind neue Nachzügler der ebenfalls neuen Manesse Bibliothek. Ich war schon von den ersten Ausgaben der Reihe begeistert und freue mich nun, auch diese Geschichten lesen zu dürfen. Mit Sinclair Lewis habe ich mich bereits bekannt gemacht. Sein Roman "Babbit" hat mich wunderbar unterhalten und so hoffe ich, dass auch "Main Street" ein solcher Erfolg sein wird. Protagonistin ist hier Carol Kennicott, die sich mit den Sitten und Anpassungen ihrer Stadt befasst. Klingt, als könnte man wieder mit einer Menge Ironie und pointierter Gesellschaftskritik rechnen.
  • "Das babylonische Wörterbuch" von Joaquim Maria Machado de Assis: Ehrlich gesagt war mir der Name des Autors davor noch kein Begriff. Dieses Buch greift aber wohl seine interessantesten Kurzgeschichten auf, die alle mit 'Schein und Sein' spielen oder sich "spielerisch mit Konventionen" befassen, wie es auf der Rückseite heißt. Auch hier kann ich es kaum abwarten in die Geschichten einzutauchen.
  • "The Tales of Beedle the Bard" von J. K. Rowling: Wohl eines der schon bekanntesten Bücher durfte auch schon bei mir einziehen. Die Erzählungen aus dem Film besitze ich zwar schon in der deutschen Taschenbuchausgabe, aber diese musste nun auch endlich einziehen. Mir ist beim Durchstöbern unter die Augen gekommen, dass in einigen Monaten eine illustrierte Ausgabe der "Tales of Beedle the Bard" erscheinen soll. Obwohl ich nicht glaube, dass diese Ausgabe dann eingestellt wird, wollte ich auf Nummer sichergehen. Mal sehen, ob mir die illustrierte Variante (übrigens illustriert von Chris Riddell) dann gefallen wird.
  • "Wide Sargasso Sea" von Jean Rhys: Ich habe Jane Eyre damals verschlungen und bin seither irgendwie immer an dieser Geschichte hier interessiert gewesen. Hier geht es nämlich quasi um die 'Vorgeschichte' von Mr. Rochester und seiner ersten Frau. 
  • "Goodbye Christopher Robin" von Ann Thwaite: Ebenso wie 'Jane Eyre', liebe ich auch die Geschichte von Winnie the Pooh. Vor einigen Monaten schon erschien im englischsprachigen Raum die Verfilmung zu diesem Buch. Darum geht es um A.A. Milne und die Beziehung zu seinem Sohn, so auch um die Entstehung des kleinen Bären Winnie Pooh. Leider konnte ich bisher keinen DVD-Veröffentlichungstermin für den deutschen Markt finden. Zudem soll auch in einigen Monaten noch ein weiterer Film namens "Christopher Robin" in den Kinos anlaufen, der A.A. Milnes Sohn, also Christopher Robin selbst, schon in seinen erwachsenen Jahren zeigt, aber eben in Bezug auf die Erinnerungen an Winnie the Pooh. Ich hoffe, dass zumindest hier die Möglichkeit bestehen wird, den Film kaufen zu können. In der Hauptrolle zu finden ist nämlich Ewan McGregor.
  • "The Road to Oz" von L. Frank Baum: "The Wonderful Wizard of Oz" habe ich damals gelesen, als ich den Schub hatte und die Literatur neu für mich entdeckte. Mir war bis vor einigen Jahren gar nicht bewusst, dass es viel mehr Teile gibt, als den bekanntesten. Neulich entdeckte ich diese dann in dem Uni-nahen Antiquariat und schnappte mir "The Road to Oz" als Anfang um möglicherweise auch noch die Folgebände zu lesen.
  • "I Can Resist Anything except Temptation" von Oscar Wilde: Ironischerweise konnte ich allem wiederstehen, nur der Versuchung nicht, dieses Buch zu kaufen. Oscar Wildes Geschichte "Die Nachtigall und die Rose" ist eine meiner liebsten und auch 'The Picture of Dorian Gray' mochte ich ganz gerne. Seither kann ich solchen Zitatsammlungen von Oscar Wilde nicht mehr aus dem Weg gehen. Ich glaube ich besitze schon vier Stück und in vielen ähneln sich die Zitate nun langsam auch, aber ja... es geht nicht anders.
  • "Was im Leben wichtig ist" von Richard Reed: Auf den ersten Blick war ich schon sofort von dem Buch angetan. Ich bin froh, dass der Heyne Verlag den Buchschnitt in orange, aus dem Original beibehalten hat, das Cover aber etwas 'flotter' gestaltet hat. Hier melden sich viele verschiedene Autoren zu Wort und berichten von vielleicht ganz hiflreichen Ratschlägen. Auch hier bin ich schon sehr gespannt auf die Umsetzung.
  • "The Bookshop Book" von Jen Campbell: "Weird Things Customers Say in Bookshops" und "Franklin´s Flying Bookshop" habe ich von Jen Campbell bereits sehr genossen. Dieses Buch gibt es ebenfalls schon etwas länger auf dem Markt, aber nun wollte ich mal sehen was der Spruch "The Bookshop Book is a love letter to bookshops all around the world." nun bedeuten soll und freue mich schon darauf in die verschiedenen Arten von Buchhandlungen reinzuschnuppern.
  • "The Complete Chronicles of Narnia" von C.S. Lewis: Sehr lange habe ich diese Ausgabe angeschmachtet, ja anders kann man es nicht sagen. Einmal habe ich sogar gedacht ich hätte ein echtes Schnäppchen gemacht, weil bei ReBuy angeblich diese Ausgabe für wenig Geld angeboten wurde. Natürlich war es eine andere Ausgabe (welche ich behalten habe...) und ich schmachtete weiter. Als dann neulich erneut die Verfilmungen liefen, überkam mich die Lust die Bücher endlich zu lesen. Nun ja und so landete also auch dieses Buch im April bei mir. Auch wenn ich das Buch gerne einfach nur ansehe, hoffe ich, dass mich der Inhalt nicht enttäuschen wird.
Das sollte dann für die nächsten Tage ausreichen...

Gab es bei euch Neuzugänge, bei denen ihr euch kaum vom Lesen zurückhalten könnt (obwohl vielleicht viele Aufgaben anstehen, die zuerst beendet werden müssen)? Würde euch eines der Bücher interessieren oder lest ihr momentan ganz andere Bücher? welche wären das?





Das vergessene Fest von Lisa Kreißler

April 25, 2018




(Original: "Das vergessene Fest"/ 2018) Hanser Berlin, 189 Seiten, Übersetzer/in: -, gebundene Ausgabe,  ★★★★☆ 4 Sterne
"Nina, Arif und Ronda sind Freunde seit der Uni. Damals glaubten sie an die Liebe, daran, dass ihre Leben sich entfalten würden wie eine Erzählung. 15 Jahre später ist Arif geschieden, Ronda allein mit ihrem Sohn, und Nina steht auf einer Lichtung im Wald – und sagt vor allen Gästen Nein zu ihrem Bräutigam. Gemeinsam verlassen die Freunde das Fest und gehen in den Wald hinein, wo sie Menschen wie aus einer anderen Wirklichkeit begegnen, die sie einbinden in ein fremdes Ritual. Und irgendwann ist Nina verschwunden. "Das vergessene Fest" ist ein Roman über Lebensträume und das Irrewerden an der Wirklichkeit, der hineinführt in eine aufs Neue verzauberte Welt."

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"Als hätte jemand gerufen, dreht Arif sich um. Er blickt in seinem Wohnzimmer umher, dann läuft er wieder zum Foto über der Spüle. Er beugt sich so weit nach vorne, dass seine Nase fast das Papier berührt. Und erst jetzt bemerkt er die Unschärfe von Ninas Gesicht." S.15

Ich war zunächst sehr verwirrt, als ich das Buch beendet hatte. Vieles schien in der Schwebe zu liegen, nicht alles scheint zu Ende erzählt.
Nach und nach begann ich einige Textstellen, einige Kapitel nachzulesen und plötzlich fragte ich mich: "Ist der Roman zu wirr oder doch so genial, dass man es auf den ersten Blick gar nicht erahnen kann?"
Wir lernen vorrangig die drei Freunde Arif, Ronda und Nina kennen, die durch ein besonderes Ereignis wieder zusammengeführt werden. Ninas Hochzeit steht bevor und diese findet in einem Waldgebiet statt. Anfangs liest sich alles noch wie ein leichter Einstieg in das Geschehen, alles hat seine Ordnung, seine Logik.
Plötzlich ging dann bei mir alles ganz schnell. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich in der Geschichte komplett verirrt fühlte. An welchem Ort befinden sich die Freunde jetzt? Wo sind die anderen Gäste und woher kommen plötzlich die Gruppen der anderen Leute? Zudem scheint die Verwirrung des Lesers überhaupt nicht auf die der Figuren überzuspringen, sie passen sich allen Umständen so an, dass es wiederum natürlich erscheint. Dieses Paradoxon machte mir anfangs etwas zu schaffen. Mir erschloss sich einfach kein genauerer Sinn und auch jetzt noch kann ich einige Erzählstränge nicht ganz zu fassen kriegen.

"Der Wald liegt still und lichtdurchflutet da wie ein Zwischenreich, in dem kein Mensch etwas zu suchen hat." S.34

Umso spannender und faszinierender finde ich aber, dass der Roman bei mir durch das wiederholte Lesen eine sehr schöne Tiefe erhalten hat, die eben doch überwiegend Sinn gemacht hat, sei es auch nur aus meiner eigenen Perspektive und Interpretation heraus. 
Dabei sind es kleine Details, die Aufschluss darüber geben können, was es nun mit den merkwürdigen Verhaltensweisen der Figuren auf sich hat. 
Es gibt viele Einschübe, die zudem die Form des Romans neu gestalten. Wir finden die 'normale' Romanform vor, aber auch eingebaute Soap-Ausschnitte, die wie Drehbücher daherkommen oder Passagen, die sich eher wie ein Theaterstück lesen. Auch hier muss man wohl selbst entscheiden, ob man sich mit dem Wechsel anfreunden kann oder ob man dies als zu sprunghaft und chaotisch empfindet. Ich persönlich fand es beim ersten Lesedurchgang etwas anstrengend, bin aber nach der ersten Reflexion doch ganz angetan von diesem Wechsel. 
Ein wichtiger Punkt, den man beachten sollte ist, dass man sich auf phantastische Elemente einlassen kann und will. Der Roman fordert von einem, dass man gewisse Grenzen überschreitet. Einige Geschehnisse sind auf einer Ebene konstruiert, die an Traumsequenzen anknüpfen, welche aber doch Einfluss auf das 'echte' Leben zu haben scheinen. Für mich war es umso interessanter zu sehen, wie sich das Ende mit dem Anfang verknüpft und man so stets in diesem Strudel des unerschöpflichen Interpretierens eintaucht. 
Was den Inhalt selbst angeht, so wird man den Themen 'Freundschaft', 'Familie', 'Liebe' und 'Selbstzweifel' begegnen. Das Leben selbst, mit all seinen Freuden und Niederschlägen bricht hier in verschiedenen Formen empor. Und letztlich steht auch die Frage, passend zum Buchtitel im Vordergrund, ob uns manche zukünftige Lebenswege leichter fallen würden, wenn wir gewisse alte Erinnerungen vergessen oder uns an manches nicht mehr erinnern könnten?

“Und im Weggehen fügt er hinzu: 'Und denkt daran, abends die Fahnen einzuholen. Das machen wir hier so. Sonst kommt der Teufel ins Haus.' Die Mutter rennt zum Mast und reißt die Fahne runter. Die Nähte platzen, so heftig zerrt sie am Tuch.” S.93

So sehr mich der Roman anfangs verwirrt zurückgelassen hat, umso interessanter scheint er mir nun in der Reflexion und nach erneutem Lesen gewisser Kapitel. Das Buch spielt mit Traum und Wirklichkeit und dem Zwischenraum, der vielleicht existieren könnte. Auch wenn die Geschichte recht kurz ist und einige Figuren nur sehr kurz skizziert werden, berühren die Schicksale (mich vor allem die Kapitel rund um die Eltern von Nina). Neben dem recht komplexen Inhalt, entwickelt sich bei mir immer mehr die Liebe zu der Konstruktion des Romans, auch wenn ich dies auch hier erst nach einem zweiten Lesedurchgang wirklich verstanden habe. Demnach für alle, die mit Geschichten zurechtkommen, die anfangs keine Regeln zu haben scheinen und etwas mehr Zeit für die 'Interpretation' benötigen und für alle, die auch mit knapperen Figurenbeschreibungen eine gewisse Bindung aufbauen können.


Welttag des Buches: 23 literarische Fakten über mich

April 23, 2018









Die Zahl 23 hatte in meinem Leben schon immer eine wichtige Bedeutung und bis heute zieht sie sich mit stetiger Wichtigkeit durch mein Leben. So wurde ich zum Beispiel am 23. August geboren, habe am 23. Oktober meinen Blog begonnen und feiere nun immer am 23sten den Welttag des Buches. Es ist eine Zahl, mit der ich Glück und Freude verbinde und welche für mich sogar symbolisch aufzeigt, dass ich mit der Literatur etwas gefunden habe, das mich vervollständigt.
Hier also dreiundzwanzig Fakten, die etwas mit Büchern oder dem Gebiet der Literatur zu tun haben.

1. Ich liebe es, Bücher über Bücher oder bibliophile Menschen zu lesen. Dabei zu erfahren, was sie an der Literatur begeistert und welche Erfahrungen sie mit dem Bücheruniversum gemacht haben, entfacht auch in mir immer wieder eine neue Liebe für die Vielfalt der Literatur.

2. Egal wie alt ich werde, mit den Harry Potter Büchern und jeglichem ‚Schnick Schnack‘ kriegt man mich immer noch. Diese Bücher haben meine Jugend so sehr geprägt, dass ich bei Dingen, die darauf referieren, die Gefühle des Glücks und der Begeisterung spüre und ich wieder stundenlang in diese Welt eintauchen könnte.

3. Sobald ich eine Buchhandlung betrete, verfalle ich in grobe Schnappatmungen und in ein Gefühl der Euphorie. Ich schaue über die Bücher und Regale und liebe es zu sehen, wie vielfältig Bücher sein können. Sei es thematisch oder auch äußerlich: Groß, klein, bunt, schlicht, dünn, dick…

4. Ich denke oft darüber nach, ob ich eine andere Leidenschaft als die Literatur entdeckt hätte, wenn ich nicht spontan mit meinem Studium, an meine frühe Leseliebe aus Kindheitstagen angeknüpft hätte.

5. Der Gedanke, zu wissen, dass man es nie schaffen wird alle Bücher zu lesen, die man will, stimmt mich tatsächlich manchmal traurig.

6. Gleichzeitig habe ich gelernt, Neuerscheinungen effizienter zu selektieren und Spontankäufen á la „brauch ich nicht, ist aber ein Mängelexemplar“ zu widerstehen.

7. Obwohl ich gerne über die Inhalte von Büchern diskutiere, bin ich in Gegenwart anderer ‚Literaten‘ immer wahnsinnig verunsichert, wenn ich meine Meinung äußere. Es kommt mir vor, als wüssten die anderen immer viel mehr über alle buchbezogenen Themen, dabei finde ich es großartig, wenn Leser ganz andere Ansichten aus einem Buch ziehen können und es eigentlich nie nur eine richtige Antwort gibt.

8. Ich bin zwar eine Tagträumerin und liebe es mir Geschichten auszudenken, aber es bestand bisher nie der Wunsch einen eigenen Roman zu schreiben. Das liegt größtenteils daran, dass ich an keine Idee denken kann, die etwas ‚Wichtiges‘ vermitteln würde, mir fehlt einfach der Impuls.

9. Sollte ich aber ein Buch schreiben müssen, dann würde ich mir wünschen ein wunderschönes Kinderbuch zu erschaffen, das dann von jemand talentierten mit passenden Illustrationen geschmückt werden würde.

10. Ich liebe es, Geschichten zu lesen, die anders sind und zwar auch in ihrer Form, nicht nur hinsichtlich ihres Inhalts. Das verlangt, dass man sich auf ganz andere Denkweisen einlässt und dadurch fühle ich mich meist besonders für neue ‚Projekte‘ inspiriert.

11. Hätte ich die Möglichkeit einen Verlag oder eine Buchhandlung zu führen, würden sich dort wohl sehr viele ‚Schmuckausgaben‘ finden lassen. Ich bin der Meinung, dass man jedes Buch schön, aber auch passend gestalten kann, ohne dass es nicht ‚kommerziell‘ verkäuflich wäre oder dass es wieder Proteste hinsichtlich der ‚ zu männlich, zu weiblich‘ – Diskussion geben würde.

12. Der Anblick von Büchern macht mich glücklich.

13. Ich könnte stundenlang vor meinem Bücherregal stehen und die Bücher rausnehmen, anschauen, zurückstellen oder umsortieren. Es wird einfach nie langweilig, seine eigene ‚Bibliothek‘ zu bewundern.

14. Ich mag die vielen kritischen Stimmen von Bloggern, die thematisieren, wenn etwas schiefläuft und sich Autoren daneben benehmen etc. Auch wenn das bedeutet, dass man sich selbst auch damit auseinandersetzen und sich gegebenenfalls eingestehen muss, dass man einen Buchkauf bereut.

15. Ich bin phasenweise mal eher an deutschen Neuerscheinungen interessiert und mal an englischen.

16. Es gibt viele Genres, die ich bisher viel zu sehr außer Acht gelassen habe und die ich in den nächsten Jahren gerne öfter lesen würde.

17. Wenn der Geräuschpegel nicht viel zu laut ist, kann ich eigentlich überall lesen. Am meisten auf die Geschichte konzentrieren kann ich mich allerdings tatsächlich zu Hause.

18. Es gibt zahlreiche Klassiker, die ich noch gerne lesen möchte, aber die vielen verschiedenen Ausgaben des englischen Penguin Verlags machen es mir sehr schwer, mich für eine ‚Serie‘ zu entscheiden. In mir wächst dann immer eine Sammelleidenschaft.

19. Wenn ich ein Buch online sehe, es bestelle, es anschließend ankommt und in echt noch viel schöner aussieht als gedacht, dann verbringe ich direkt erst einmal eine Viertelstunde damit, darin zu blättern.

20. Ich liebe Gedichtbände, habe aber oftmals das Gefühl, dass ich nie alles darauf ‚entziffern‘ kann und ich mir immer eine andere Bedeutung herleite, als der Poet es sich gedacht hat. Dann denke ich daran, was man in der Schule bei der Gedichtanalyse gelernt hat: Solange man die Ansicht gut begründen kann, ist die Interpretation auch nicht falsch.

21. Jeden Tag auf dem Weg zur Uni, träume ich schon davon, irgendwann einmal in einem Verlag arbeiten zu können.

22. Ich habe eine kleine Schwäche für Quiz-Shows und freue mich immer darüber, wenn Literaturfragen kommen und ich sie auch beantworten kann.

23. Ich kann mir zurzeit nicht vorstellen, dass die Begeisterung zur Literatur jemals bei mir schwinden wird.

Ich wünsche euch hiermit einen fabelhaften, lesereichen und hoffentlich auch sonnigen Welttag des Buches! Werdet ihr euch heute gezielt die Zeit für einen Buchhandlungsbesuch nehmen oder 'feiert' ihr etwas, indem ihr einige Seiten lest?





"little words" über die Ordnung in Bücherregalen

April 21, 2018




Vor einiger Zeit fragte mich Sonja von "diemoebelbloggerin", ob ich nicht Teil eines Gastbeitrages auf ihrem Blog sein wollen würde. Als sie mir erzählte, dass es darum gehen soll, als Buchblogger einige Tipps und Tricks oder einfach eigene Erfahrungen zu schildern, die sich rund um das Thema 'Bücherregale' drehen, habe ich sofort zugesagt.
Auch wenn ich keine riesigen Regale besitze, habe ich mit der Zeit gelernt, den Platz sinnvoll und sparsam zu nutzen und vielleicht sucht ja auch jemand von euch noch Möglichkeiten, die Bücher passend zu verstauen.

Wen dieses Thema interessiert, dem kann ich den Artikel nur ans Herz legen. Neben 'little words' finden sich dort auch noch weitere interessante Beiträge von Petzi ('Die Liebe zu den Büchern), Tina ('Revolution, Baby, Revolution') oder auch von Mara und Anais ('vivre avec des livres').

Hier gelangt ihr zu dem vollständigen Beitrag von diemoebelbloggerin.