4 3 2 1 von Paul Auster

Februar 21, 2018





(Original: "4 3 2 1"/ 2017) Faber & Faber / Faber Books, 866 Seiten, Übersetzer/in: - , gebunden, Englische Ausgabe, ★★★(★)☆ 3 bis 4 Sterne
Am 3. März 1947 wird in Newark, New Jersey ein Junge namens Archibald Isaac Ferguson geboren, der einzige Sohn von Rose und Stanley Ferguson. Von diesem einzigen Moment an wird Fergusons Leben vier fiktive, unabhängige Lebensstränge entfalten. Vier Fergusons, geschaffen aus dem selbengenetischen Material, vier Jungs, welche derselbe Junge sind, welche aber vier parallele und komplett unterschiedliche Leben führen werden.

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"For the Fergusons, the weak-minded notion All-For-One-And-One-For-All did not exist. In their little world, it was All-For-All-or nothing." S.3

Paul Austers neuer Roman hat es in sich und das nicht nur hinsichtlich der doch massiven Seitenzahl. Als Leser wird man auf den knapp neunhundert Seiten von sehr vielen Informationen erschlagen, auch wenn man sich zu Beginn bereits versucht eine Taktik anzueignen, wie man die Informationen auseinanderhalten soll.
Grund dafür ist die zunächst recht gelungene Umsetzung der Idee des Romans; es werden vier Lebensstränge des Protagonisten Archibald Isaac Ferguson erzählt, die sich nacheinander abwechseln und sein Leben bis in die Mittzwanziger erzählen. Auch wenn natürlich die Familienmitglieder wiederholt auftauchen, muss man sich mit vielen anderen Figuren vertraut machen, die mal erscheinen und dann wieder verschwinden. Ebenso wechseln die Wohnsituationen oder kleine Details in seinem Leben, die jedoch weitreichende Konsequenzen haben. Was mir zunächst etwas schwierig und kompliziert wirkte, entpuppte sich mit den fortlaufenden Kapiteln als kein allzu großes Hindernis, da jedes Kapitel besondere Eigenheiten des Lebens eines der vier Ferguson Jungs, noch einmal hervorhebt und man es so auch nach einiger Zeit schafft, die verschiedenen Archibalds auseinanderzuhalten.
Ich muss aber letztlich sagen, dass mich der Roman im Großen und Ganzen etwas enttäuscht hat und das hat Gründe, die man meiner Meinung nach hätte verhindern können.
Mir gefiel die gesamte Idee des Romans, ich war begeistert vom Anfang und auch vom Ende und war auch bis weit über der Hälfte noch am schwärmen. Und dann plötzlich hat sich der Roman und der Inhalt für mich so unfassbar gezogen, ausgedehnt und in irgendwelche Kleinigkeiten verzettelt, dass ich mich in dem letzten Teil eher gelangweilt, als spannend mitgelesen habe. 
Dabei greift der Roman aber trotzdem wunderbare Ansichten auf zum Beispiel was veränderte Umstände in unserer Persönlichkeit auslösen würden, ob Geld wirklich alle Sorgen lösen würde, wie stark man auf etwas Einfluss nimmt, wenn man sich nur richtig engagiert und auch Fragen hinsichtlich der Beziehung zu verschiedenen Familienmitgliedern. Der Roman ist wirklich sehr umfangreich was seine Thematik anbelangt.

"’You don´t want to reinvent the world, Archie, you want to understand the world so you can find a way to live in it.’." S.687

Zu Beginn lernt man den sehr jungen Ferguson kennen, man liest von seinen Strapazen, lernt seine Elterngeschichte kennen, es entsteht wirklich ein festes Band, sodass dem Leser der Junge tatsächlich am Herzen liegt. Ebenso empfand ich vor allem am Anfang den Schreibstil als sehr angenehm und durchaus spannend. Man hatte nie den Eindruck, dass einem egal sei, was denn nun geschieht, dafür sorgen zudem auch schon zu Beginn gewisse Ereignisse, die den Roman 'lebhaft' gestalten, auch wenn eigentlich nur der Lebenslauf wiedergegeben wird. 
Nach und nach war es bei mir dann aber so, dass ich zu einigen Lebenssträngen eher den Draht verloren habe, ab einem späteren Abschnitt wurden mir dann beinahe schon fast alle Archibald-Figuren lästig. Auch hier spricht wohl eindeutig meine sehr persönliche Einschätzung und Meinung, aber diese manchmal wahllosen und übermäßig vielen Einschübe jeglicher Beziehungen und sexuellen Annäherungen und irgendwelcher anderer ähnlicher Tagträumereien war mir dann wieder einmal zu viel. Durchaus ist mir bewusst, dass der Roman die Geschichte eines heranwachsenden Jungen erzählt, diese Dinge gehören dazu und sie sind auch nicht komplett auszuschließen, aber vor allem zum Ende hin erschienen mir manche Sachen sehr grotesk und unfassbar überspitzt zum Beispiel als auch noch in einem Lebenslauf sein Großvater mit irgendwelchen erotischen Spielchen assoziiert wird. Ich empfand diese Einschübe dann als 'Notstopfer', um noch irgendwie Spannung in das Ganze zu bringen, was für mich allerdings eher den gegenteiligen Effekt erzielte. 
Für mich war der letzte Teil also eine persönliche, kleine Katastrophe, da hätte man notfalls kürzen sollen, denn das letzte Kapitel bildet einen so schönen Rahmen zum Anfang und stellt die Idee noch einmal auf eine ganz andere Stufe, dass mir die vorherigen Kapitel erschienen, als hätte sie jemand anders verfasst.
Allerdings mochte ich an dem Roman die vielen literarischen Anspielungen. Das Buch ist eine wahre Fundgrube, wenn man nach Buchtipps sucht. Zudem wird wunderbar mit dem Schreiben sich gespielt. Was bedeutet es einen Roman zu verfassen und wie würde man sein eigenes Leben niederschreiben? 
Und auch wenn ich den älteren / die älteren Fergusons nicht alle mochte, werde ich den jungen Ferguson durch den Roman immer positiv in Erinnerung behalten. Es ist letztlich eine Geschichte mit so vielen Facetten, Wendungen und Ansichten, dass sie wohl nicht jedem in vollem Ausmaß gefallen kann.  

“' I´m saying you´ll never know if you made the wrong choice or not. You would need to have all the facts before you knew, and the only way to get all the facts is to be in two places at the same time - which is impossible.” S.240


Sehr umfangreicher Roman, der sich mit vier Lebenssträngen eines Jungen beschäftigt. Für mich fing der Roman stark an und hört im letzten Kapitel auch sehr stark auf, aber kurz vor dem imposanten Ende verlor sich der Autor meiner Meinung nach in zahlreichen, ausgedehnten Passagen, die dem 'sehr guten Eindruck' etwas geschadet haben. Es kamen deutlich mehr Wiederholungen auf, als mir lieb war, vor allem hinsichtlich vieler sexueller Erlebnisse, die mich haben laut Aufatmen lassen, weil sie nicht die nötige Spannung, sondern eher Augenrollen hervorgebracht haben. Dennoch fand ich den Roman durchaus gelungen, wenn man die sehr eigene Art und Weise der Erzählung berücksichtigt und die liebevollen Passagen, die sich mit der Literatur befassen. Es ist eine Ode an das Leben und an die Bücher, welche uns bereichern und es erzählt davon, was uns am Ende wirklich ausmacht.

 

Neuerscheinungen März

Februar 17, 2018







Es ist schon etwas länger her, seit hier ein 'Neuerscheinungsbeitrag' veröffentlicht wurde. Das lag größtenteils etwas am Zeitmangel, aber auch an der Tatsache, dass mich in den ersten beiden Monaten nur vereinzelt Bücher interessiert haben, die neu erschienen sind.
Im März folgen dann nun doch einige Bücher, die mir sehr interessant erscheinen und daher hier nun die Neuerscheinungen, die im März '18 folgen werden. 

"Lennon" von David Foenkinos, DVA, gebunden, 12. März
Sein Buch "Charlotte" habe ich bisher noch nicht gelesen. Nach anfänglicher Euphorie, folgte eine etwas trübsinnige Stimmung, als vermehrt negative Rezensionen aufgetaucht sind. Vielleicht schaffe ich es, mir bei Lennon vorher selbst ein Bild zu machen, bevor ich mich zu sehr auf andere Meinungen konzentriere. Der Inhalt des Buches klingt zumindest vielversprechend; ein Beatle auf der Couch eines Psychologen.

"Die Geschichte des Wassers" von Maja Lunde, btb, gebunden, 19. März
Auch hier bin ich noch nicht dazu gekommen Maja Lundes Erfolgsroman "Die Geschichte der Bienen" zu lesen. "Virtuos verknüpft Maja Lunde das Leben und Lieben der Menschen mit dem, woraus alles Leben gemacht ist: dem Wasser. Ihr neuer Roman ist eine Feier des Wassers in seiner elementaren Kraft und ergreifende Warnung vor seiner Endlichkeit." Diese Inhaltsangabe lässt aber vermuten, dass die Thematik den Leser ebenso packen kann, wie das Schicksal der Bienen. Bleibt also vorgemerkt,

"Big Pig, Little Pig" von Jaqueline Yallop, blanvalet, Broschur, 19. März
Eines der Bücher, die ich im März am sehnlichsten erwarte. Als jemand, der kein Fleisch isst, interessieren mich die Sichtweisen anderer sehr, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Hier wird die Geschichte zweier Schweine geschildert, welche die Autorin kauft und heranwachsen lässt, um sie anschließend selbst zu schlachten. Dabei steht die Frage im Raum, ob sie dies am Ende auch wirklich umsetzen kann. 

"Berühmte Tiere der Menschheitsgeschichte" von Elena Passarello, Hanser Berlin, gebunden, 12. März
Ein anderes Buch, welches sich auf Tiere bezieht ist dieses. "Elena Passarellos hinreißende "Hall of Fame" der Tierwelt erinnert uns daran, woher wir kommen und mit wem wir diesen Planeten teilen. " Dieser Satz reichte, um mich neugierig zu machen. Daher bleibt es weit oben vorgemerkt. 

"Der Tempel der magischen Tiere" von Carl von  Siemens, Malik, gebunden, 01.März
Geschichten, die sich mit den Urvölkern befassen und die uns ganz andere Seiten der 'Zivilisation' aufzeigen finde ich immer sehr spannend. Daher musste auch dieses Buch auf den Merkzettel. "In Australien begegnet er dem magischen Denken der Aborigines und teilt ihren Alltag im Outback. Auf Mangaia, der ältesten der Cookinseln, erlebt er die Vormoderne nur mehr als Spuk. Und in Peru wird er von Mestizen und Amazonasindianern in den Gebrauch halluzinogener Pflanzenmedizin eingewiesen." Klingt so, als würde man sich auf ein kleines Abenteuer begeben.

"Atlas der wundersamen Orte" von Mia Cassany, Prestel, gebunden, 26. März
Etwas für die kleineren Leser könnte dieses Buch sein. Auf der Seite des Verlags kann man einen Blick in das Buch werfen und es ist wirklich sehr liebevoll gestaltet. Gleichzeitig kann man sich durch verschiedene 'wundersame Orte' bewegen und sich von der Atmosphäre einfangen lassen. 

"Das Zeiträtsel" von Madeleine L´Engle, Ivi Verlag, gebunden, 01. März
Das Buch erscheint nun auch auf Deutsch. Die Rezension zu dieser tollen Geschichte erschien auch letztens auf dem Blog. Falls ihr Interesse daran habt, könnt ihr sie HIER finden.

Besondere Ausgaben im Piper Verlag:
Zudem erscheinen diesen Monat einige schon erschienene Bücher in neuem Design im Piper Verlag. Der Look kommt dem einen oder anderen vielleicht sogar bekannt vor, denn es gab diese Art der Bücher schon zur Weihnachtszeit. Nun folgen einige Sommerbücher im passenden neuen Gewand. / 19. März
Außerdem erscheinen noch "Die Sommer der Porters" von Elizabeth Graver und "Das Nest" von Cynthia D´Aprix Sweeney nun im Taschenbuchformat.


Ein schöner Buchrücken kann auch entzücken

Februar 13, 2018





Der Buchrücken ist für die meisten nur ein praktisches Bindeglied, welches das Buch zusammenhält. Das Buchcover ist für die Optik zuständig und auch hier scheiden sich sehr oft die Geschmäcker. Wovon die einen nicht genug bekommen können, ist den anderen schon zu verschnörkelt. Simpel soll es dann wieder sein, am besten, wenn nur der Name des Autors und der Titel des Buches abgebildet sind.

Mich persönlich kann man eher mit wohl portionierten, schönen Details überzeugen. Natürlich überwiegend auf dem Cover, aber auch auf dem Buchrücken, denn für mich gehört der Buchrücken ebenfalls zum Gesamteindruck dazu. Wirft man nämlich einen Blick auf sein Bücherregal, fällt einem sofort der Buchrücken auf und nicht die 'Titelseite'. Man hat auch schlichtweg nicht den Platz, um seine Bücher mit der vorderen Gestaltung zu präsentieren, wie es nun auch vermehrt die Buchhandlungen machen.
Was vielen egal ist, nämlich wie das Buch letztlich im Bücherregal aussieht, spielt bei mir ab und an doch eine etwas größere Rolle. Die Geschichten die ich gelesen und lieben gelernt habe, wollen bei mir einen Platz bekommen, der am besten gut sichtbar ist. Man möchte sich dann bei dem Blick auf den Buchrücken sofort an die Protagonisten erinnern, die einen eine Zeit lang begleitet haben, sich an die Orte zurücksehen und das Gefühl wiedererlangen, welches einen bei bestimmten emotionalen Passagen ergriffen hat.
Und bei mir taucht genau bei diesem Moment die Frage auf: "Wieso ignorieren viele Verlage den Buchrücken so?" 

Vielleicht ist die Frage für mich erst jetzt so präsent, weil durch bestimmte 'Trends', der Buchrücken wieder ins Gespräch kam. Ein Trend nennt sich "Backwards Books" und ging natürlich, wie sollte es auch anders sein, sofort viral.
Was den "Backwards Books"-Trend ausmacht? Hauptsählich soll es dazu dienen, Bücher verkehrt herum in das Bücherregal einzusortieren, um ein harmonisches Gesamtbild zu erzeugen. Das heißt, man dreht den Buchrücken Richtung Regal und sieht nur noch den Seitenschnitt.
Viele Verlage haben sich zu dem Trend geäußert und haben auch bei den Lesern nach deren Ansicht gefragt. Zum Beispiel auch der dtv Verlag in Zusammenhang mit einer konkreten Umfrage, ob man den Trend 'schön' findet oder nicht. HIER sieht man das recht eindeutige Ergebnis.
Auch viele englische Verlage haben sich zu dem Trend geäußert und im Allgemeinen kam es immer darauf hinaus, dass kein wirklich bibliophiler Leser diese Art des Einsortierens bevorzugt.
Jedem scheinen die Buchrücken also doch nicht ganz so egal zu sein. Mir kommt es zudem vor, als sei der Trend eben für die 'Design-Menschen' wichtiger, die sich eben mit der Inneneinrichtung befassen und Bücher nur als freches Accessoire ansehen, das etwas 'Leben' in die Wohnung zaubert, eben auch nur, wenn man sie falsch herum einsortiert.

Dennoch scheint mir, dass auf dem deutschen Markt dem Buchrücken immer noch relativ wenig Beachtung geschenkt wird. Hauptsächlich findet man hier reduziertere 'Designs'. Dabei fände ich es viel schöner und interessanter, wenn sich der Buchrücken an das Cover angleichen würde, dass man ein bestimmtes Merkmal der Geschichte vielleicht als kleines Symbol dort wiederfinden würde.
Gute Beispiele findet man zum Beispiel schon bei Klassikern, wie der Ausgabe des dtv Verlags von 'Jane Eyre', bei 'Der Freund der Toten' (Die Pflanzen greifen von dem Cover auf den Buchrücken über) oder die gebundene Version von Eleanor Cottons 'Die Gestirne', welche sich an die englische Version angleicht und auf dem Buchrücken das Cover erneut aufgreift. Ich finde es recht schade, dass man mittlerweile sehr viel Zeit in das Cover investiert und anschließend den Buchrücken vollkommen außer Acht lässt.
Einerseits bin ich mir sicher, dass es als vorteilhafter angesehen wird, damit es im Bücherregal 'neutraler' wirkt und man nicht direkt wieder die Diskussion hat, ob es zu 'weiblich' oder 'männlich' daherkommt, aber streift man durch die Buchhandlungen und sieht diese manchmal lieblos gestalteten Buchrücken, springt mein Herz einfach nicht unbedingt höher und die Lust, nach einem bestimmten Buch zu greifen, sinkt.
Mich persönlich sprechen komplett einfarbige Buchrücken mit dem Logo des Verlags und einer Standardschriftart nicht wirklich an, aber vielleicht ist das einfach nur ein Problem das man hat, wenn man ein Leser ist, der nicht nur die Geschichten selbst lieben möchte, sondern auch die dazu passende Gestaltung.


Seid ihr für oder eher gegen den "Backwards Books"-Trend? Habt ihr bestimmte Buchrücken, die ihr euch immer wieder anschauen könntet und die ihr auch nie in eine 'hintere' Reihe ins Regal stellt? Würdet ihr euch wünschen, dass die Buchrücken auf dem deutschen Markt ebenfalls etwas kreativer ausfallen würden oder ist euch der Teil des Buches komplett egal?



A Wrinkle in Time (Time Quintet #1) von Madeleine L´Engle

Februar 09, 2018








(Original: "A Wrinkle in Time"/ 1962) The Folio Society, 172 Seiten mit Illustrationen von Sam Richwood, Übersetzer/in: - , gebunden, Englische Ausgabe, ★★★★☆ 4 Sterne

Meg Murry, eine scheinbare Außenseitern vermisst ihren Vater, einen Physiker, der auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Doch als Meg mit ihrem Bruder Charles Wallace auf die ganz außergewöhnlichen Gestalten Mrs Whatsit, Mrs Who und Mrs Which trifft, werden sie zusammen mit ihrem Freund Calvin O´Keefe auf ein Abenteuer durch Raum und Zeit geschickt, um ihren Vater zu retten.

MEINE MEINUNG / FAZIT
  
"'Maybe that´s why I call when I´m not going to be home. Because I care. Nobody else does. You don´t know how lucky you are tob e loved.‘ 

        Meg said in a startle way, ‘I guess I never thought of that. I guess that I took it for granted.’" S.33

Auch hier wurde es nach Meinung der Filmindustrie langsam Zeit, die Geschichte rund um Meg auf die große Leinwand zu bringen, denn bald erscheint der Kinderklassiker mit Starbesetzung auch in den deutschen Kinos.
Natürlich verspürte ich dadurch den Drang, das Buch zu lesen und zu schauen, ob das Abenteuer verdienterweise eine größere Aufmerksamkeit bekommt.
Was mir an dieser Ausgabe besonders gefallen hat, war das Vorwort von Meg Rosoff, die ihre ganz eigene Liebe zu dem Buch verdeutlicht. Bereits hier wird dem Leser irgendwie bewusst, dass die Geschichte eine Sogwirkung haben muss, so wie die Autorin von den verschiedenen Elementen des Textes spricht. Tatsächlich wird man ab der ersten Seite mit in das Abenteuer hineingerissen, denn es gibt auf den rund hundertsiebzig Seiten keine unnötig aufgebauschten Passagen, die sich in die Länge ziehen. Es gibt auch keine ellenlangen Beschreibungen der Charaktere und doch weiß man als Leser ganz genau, was die Protagonisten ausmacht, denn für mich lag der Fokus auch oftmals darauf, wie sich die Figuren verhalten, welche Taten sie umsetzen und was diese Handlungen dann über sie aussagen. Auf Monologe, aus denen dann die wundervollsten Selbsterkenntnisse hervorgehen wird verzichtet und das fand ich auch gut, denn es zählt hier vielmehr der emotionale und auch sprachliche Austausch der Figuren. Das Schöne daran ist dadurch auch, dass es keinen einzelnen Helden gibt, es ist keine Geschichte, die nur den vermeintlichen ‚Problemlöser‘ in den Vordergrund stellt. Es ist eine Geschichte, die den Zusammenhalt hervorhebt.  

"’We do not know what things look like, as you say,‘ the beast said. ‘We know what things are like. It must be a very limited thing, this seeing’." S.148

Das Geschehen selbst und die Entwicklung der Handlung war für mich sehr außergewöhnlich, da man solche Science Fiction mäßigen Szenarien sicherlich schon öfters mal in Filmen gesehen und in Büchern gelesen hat, aber hier hat man das Gefühl, dass der Gedanke noch recht frisch war. 1962 ist die Geschichte veröffentlicht worden und doch ist sie sehr modern. Es werden viele physikalische Überlegungen hinzugezogen, die sich ebenfalls mit den verschiedenen Dimensionen und der Möglichkeit der Zeitreise auseinandersetzen. Es treten Gestalten auf, die so erfrischend ‚unbestimmt‘ sind, was ihre Form und ihre Vorstellung von der Welt angeht, dass man das Gefühl hat, dass man seine eigenen verbissenen Ansichten über das ‚Schöne‘ abschütteln möchte.
Und zudem kommt natürlich noch hinzu, dass es einen Gegner gibt, den die Protagonisten versuchen zu bekämpfen, was dazu führt, dass man auch ein wenig mitfiebert.
Obwohl die Erzählung eher für die jüngeren Leser bestimmt ist und die Erzählweise dadurch etwas ‚leichter‘ erscheint, sind die Werte, die uns die Geschichte vermitteln will umso wichtiger für die Erwachsenen. Freundschaft, Familie, Zusammenhalt, das sich Lösen einer standardisierten Form der Gesellschaft beziehungsweise der unvernünftige Wille sich Dingen beugen zu wollen, nur weil die Anstrengung dagegen anzukämpfen zu groß ist, all das und irgendwie noch viel mehr thematisiert Madeleine L´Engle in diesem Buch.
Und sollte die Botschaft nicht alleine schon überzeugen, so wird man dies sicherlich von den zauberhaften Figuren, die das Buch so besonders machen.


“Only a fool is not afraid’, Mrs Whatsit told him.” S.84


Ereignisreicher Kinderklassiker, der allerdings auch wunderbar für Erwachsene geschaffen ist. Man wird daran erinnert, was am wichtigsten und wertvollsten für uns und den Umgang miteinander ist und gleichzeitig öffnet man das Herz für ganz wundervolle erschaffene Figuren, die durch ihre ganz persönlichen Besonderheiten glänzen. Auch wenn die Geschichte rund um Meg und ihre Begleiter, welche ein rasantes Abenteuer erleben, eher schnell erzählt ist, steckt es voller zauberhafter Ideen und findet auch mit wenigen Worten einen rührenden Zugang zum Leser.


Januar: Ein abwechslungsreicher Jahresbeginn

Februar 04, 2018







Der erste Monat des neuen Jahres ist vorbei und gleichzeitig steht wieder die Prüfungsphase an. Wie das in den  meisten Fällen so ist, verspürt man gerade dann die größte Ambition Bücher zu lesen, wenn  man genau weiß, dass man lernen muss. 
Und obwohl ich dann tagsüber versuche konzentriert zu lernen, belohne ich mich abends vor dem Schlafengehen noch mit einigen Kapiteln. Neun Bücher haben es somit geschafft gelesen zu werden, alle relativ unterschiedlich, sodass es mir an Abwechslung sicherlich nicht gefehlt hat.

Generell verlief der Januar aber relativ ruhig, was auch hier auf die Klausurenphase zurückzuführen ist.
Gestern ging es dann aber noch spontan zur "Maze Runner - The Death Cure" (dt. "Die Auserwählten in der Todeszone") Verfilmung. Natürlich verspüre ich jetzt irgendwie das Gefühl auch die Bücher lesen zu wollen. Ehrlich gesagt fand ich den letzten Teil inhaltlich etwas schwächer, als die Vorgänger, aber irgendwie war es dennoch ein guter Abschluss für die Reihe.
Von vielen habe ich bisher gehört, dass die Bücher in eine etwas andere Richtung gehen, sodass ich mir vielleicht nach den Klausuren zumindest schon einmal den ersten Band bestellen werde. Ich bin gespannt, welche Umsetzung mir dann letztlich besser gefallen wird.

Folgende Bücher haben mich im Januar begleitet:
Wie immer gelangt ihr durch Anklicken des Buchtitels, falls vorhanden, auf die jeweilige Rezensionsseite. 

„Drei Mann in einem Boot. Ganz zu schweigen vom Hund“
von Jerome K. Jerome: Wahnsinnig unterhaltsam und auch angenehm kurz. Sicherlich ein wunderbares Buch für Zwischendurch.

„Lincoln in the Bardo“ von George Saunders: Ein sehr außergewöhnliches Buch, nicht nur thematisch, sondern auch stilistisch. Man muss sich zwar erst einmal etwas an den Schreibstil gewöhnen, aber es gibt viele emotionale Passagen, die dem Buch neben einigen unterhaltsamen Dialogen die nötige Ernsthaftigkeit geben. 
„Sleep No More“ von P.D. James: Dies war meine erste Erfahrung mit der Schriftstellerin, aber ich bin mir sicher, dass es nicht meine letzte bleiben wird. Die Erzählungen sind immer etwas düster und mysteriös, auch wenn man vieles schon zu Beginn weiß und dennoch bleibt man an den Geschichten und Schicksalen hängen. Bestens geeignet für verregnete Tage.

„The Hundred and One Dalmatians“ von Dodie Smith: Ein sehr schöner Kinderklassiker, der einfach so herzlich und liebevoll ist. Die Illustrationen in dieser Ausgabe waren ebenfalls sehr schön umgesetzt.

„The Beauty and The Beast” von Gabrielle-Suzanne Barbot De Villeneuve: Wohl eines der größten Überraschungen diesen Monat, brachte mir die Originalvorlage von 'Die Schöne und das Biest', denn die Geschichte ist wirklich ganz anders, als man sie eigentlich kennt. Meine Vorstellung des Buches war immer sehr von Disney geprägt, aber wie man weiß, ist Disney dafür bekannt einiges zugunsten des märchenhaften Zaubers abzuändern. Auch hier sucht man vergeblich nach den liebgewonnen Figuren wie Chip und seiner Mutter oder der im Film so prägnant in Szene gesetzten Rose, die ihre Blütenblätter verliert.
Das Buch setzt den Fokus deutlich auf das schlechte Verhalten der Schwestern von 'Beauty' und legt den Fokus ebenfalls auf die gesamte Vorgeschichte des Prinzen und der Feen, die den Zauber ausgesprochen haben. Dennoch ist die Geschichte auch deshalb lesenswert, weil sie eben nicht wie eine Disneyproduktion wirkt (obwohl ich den Film über alles liebe). Zudem sind natürlich die interaktiven Elemente von Mina Lima ein wirklicher Hingucker, auch wenn ich mir einige Elemente deutlich prägnanter vorgestellt habe. Die Bücherei im Schloss wird zum Beispiel nur auf einer Seite als Illustration gezeigt, da finde ich, hätte es sich wunderbar angeboten, ein ausklappbares Element einzubauen, das eine riesige Bücherei hervorzaubert.

„Zeit muss enden“ von Aldous Huxley: Ein Buch, welches mich zwar nicht enttäuscht hat, von dem ich mir aber anfangs etwas mehr erhofft hatte. Mir gefielen durchaus sehr viele Aspekte und Umsetzungen in dem Buch, allerdings schien sich mir vieles manchmal zu ziehen oder in eine etwas 'nervige' Richtung zu gehen. dazu gehören die Passagen, in denen der Protagonist Sebastian seine Gedichte vorträgt und ausbaut.

„Hier treffen sich fünf Flüsse“ von Barney Norris: Eine positive Überraschung brachte mir dieser Roman von Barney Norris. Ganz spontan griff ich zu dem Buch, als ich eine Bahnlektüre suchte. Der Anfang hat mich nicht direkt gepackt, da mir das zweite Kapitel, in dem die erste Protagonistin vorgestellt wird, gar nicht zu gesagt hat. Die Sprache war mir etwas zu derb und gänzlich hat mich die Stimmung nicht überzeigen können. Umso schöner war es dann zu sehen, wie sich der Roman mit den Kapiteln immer weiter entwickelt und aufeinander aufbaut.
Die Figuren verbinden sich zu einem Ganzen und bilden zum Schluss eine Geschichte, die sicherlich hängen bleibt und einen auch berührt.

„Faery Tales“ von Carol Ann Duffy: Carol Ann Duffys Märchenzusammenstellung und ihre Neuinterpretationen waren wirklich unterhaltsam und greifen auch die größten Klassiker auf, die man so kennt. Ab und an kamen Märchen vor, die sich sehr geähnelt haben, aber das sei einfach mal der Tatsache geschuldet, dass das Buch eine komplette Sammlung ihrer Märchenwerke sein soll. 
Dennoch bin ich mir sicher, dass man, wenn man Märchen liebt, mit dem Buch nichts falsch macht. Zudem sind auch hier einige Illustrationen zu finden, die das Buch einfach zu einem Sammelstück machen.

„Men Without Women“ von Haruki Murakami: Erst vor einigen Tagen rezensiert, daher werde ich nur wenige Worte darüber verlieren. Auch wenn mich nicht alle Erzählungen in ihrer Gänze überzeugt haben, vor allem, weil ab einem gewissen Zeitpunkt vieles auf die Sexualität geschoben wurde und ich der Meinung bin, dass das wirklich nicht alles ist im Leben und in der Liebe, mochte ich die Geschichten dennoch. Sie tragen alle eine bestimmte Verletzlichkeit und Ehrlichkeit in sich, die man beim Lesen zu bewundern scheint. Daher werde ich mich mit der Zeit auch noch an andere Bücher von Murakami wagen.


War euer erster Monat im neuen Jahr 'erfolgreich'? Gab es überraschende Neuentdeckungen?




Wenn (fast) vergessene Bücher eine neue Chance bekommen

Februar 01, 2018






Man hat vermehrt das Gefühl, dass sich alle nur nach dem Neuesten vom Neuen umsehen. Auch in literarischer Hinsicht werden Neuerscheinungen gerne im Auge behalten. Was ist zurzeit aktuell? Auf welche Bücher soll man sich in den folgenden Monaten konzentrieren? Irgendwie will man immer mit dabei sein, wenn etwas Neues zu einem Erfolg wird.

Ich finde allerdings, dass auch die älteren Geschichten einen besonderen Reiz ausmachen. Vielen sind diese Geschichten gar kein Begriff mehr, dabei enthalten sie meist so viel Potential. Nach einem eventuell sogar etwas größeren Erfolg, hat man diese Bücher immer mehr vergessen, sie wurden verdrängt von der Flut an neuen Geschichten und Büchern, die die Menschen neugierig gemacht haben. Keine Frage, Neues zu entdecken und neue Dinge zu fördern ist durchaus gut, aber hier würde ich gerne einen Blick zurück in die Vergangenheit werfen, denn neulich sind mir einige Bücher in die Hände gefallen, die mich dazu gebracht haben, mich nicht nur an die bereits bekannten Klassiker zu hängen, sondern auch 'neue' alte Bücher zu entdecken.

"The Book of Forgotten Authors" von Christopher Fowler macht da einen ganz guten Anfang. Denn dieses Buch greift Schriftsteller auf, die eigentlich mit bestimmten Büchern recht erfolgreich waren, die man aber aus irgendeinem Grund in eine hintere Ecke gestellt hat - unverdienter Weise, wie Fowler nun aufzuzeigen versucht. Ich habe mich ein wenig durch das Inhaltsverzeichnis gearbeitet und bin sehr gespannt, ob sich darunter tatsächlich solche Schätze verstecken, die es sich zu lesen lohnt. Sicherlich sorgt das Buch aber dafür, dass man nie ohne Idee bleibt, was man sich als nächstes kaufen könnte.

Das nächste Buch wird nicht in Fowlers Sammelalbum der vergessenen Autoren erwähnt, dennoch klingt es aber sehr lesenswert. E. Nesbit war mir bisher nur durch "Five Children and It" ein Begriff, denn das Buch zählt bereits zu den Klassikern. Nun ist mir aber "The Lark" von der Autorin ins Auge gesprungen. Grund dafür ist die neue Serie des Verlagshauses Penguin. Die Serie erschien gerade erst ganz frisch und nennt sich "The Penguin Women Writers Series". Derzeit fallen darunter vier Bücher, die eben (fast vergessene) Geschichten weiblicher Schriftstellerinnen aufgreifen. Da sich "The Lark" mit zwei Freundinnen befasst, welche einen Blumenladen eröffnen wollen, erschien es mir als ein ganz gutes Buch, um den Start für die neu entdeckten Geschichten zu legen.
HIER findet ihr noch einmal alle vier Ausgaben der Reihe und ein Interview mit den Damen, die diese erste Auswahl getroffen haben.

Als nächstes habe ich mir für den Anfang noch "A Black Fox Running" von Brian Carter ausgesucht. Natürlich hat es mich direkt wegen des Covers angesprochen, aber auch aufgrund der darin enthaltenden Liebeserklärung zur Natur (wie es auf dem Klappentext heißt). Ebenso sei dies ein Buch gewesen, welches eine Autorin erst zur Autorin gemacht habe. Da überrascht es vielleicht nicht, dass es mich sofort angesprochen hat. Ich bin sehr gespannt, ob ich auch hier sagen werde, dass sich die Neuauflage des Buches gelohnt hat.

Zugegeben, so wahnsinnig neu ist die Idee nun nicht, alte Bücher neu herauszugeben, denn auch im deutschsprachigen Raum gab es vor einigen Jahren einen solchen Versuch. "Die Zeit" hat sich der Umsetzung angenommen und insgesamt zwölf vergriffene, verlorene oder verschwundene Bücher in neuem Glanz erstrahlen lassen. Das ganze lief dann unter der Reihe "Die Bibliothek der verschwundenen Bücher".
HIER könnt ihr euch die Bücher auch noch einmal im Einzelnen ansehen.
Mich spricht diese Reihe immer noch sehr an und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich mir eines Tages einige Bände davon anschaffen werde (und werde gleichzeitig hoffen, dass es nicht zu spät sein wird und sie erneut vergriffen sein werden).

Auch zwischendurch fallen mir immer mal wieder schöne Neuauflagen älterer Bücher auf. Der Carlsen Verlag veröffentlichte in seinem letzten Königskinder-Programm den Jugendklassiker "Lieber Daddy Long-Legs" und ich war überrascht zu sehen, dass ältere Generationen das Buch damals geliebt haben, es aber irgendwie immer mehr in Vergessenheit geraten ist. 
Umso mehr freut es mich immer, dass diese Geschichten eben nicht vollständig verschwinden, dass sich immer jemand finden lässt, der sich dafür einsetzt, dass man diesen geliebten Büchern und Figuren eine weitere Chance gibt und sie für jüngere Generationen wieder attraktiv macht, in dem man sie neu präsentiert. Denn auch wenn es eine Fülle an Neuerscheinungen gibt, vergisst man manchmal, dass sich die wahren Schätze bereits in unserem Besitz befinden können.


Machen euch solche neu herausgebrachten, beinahe vergessenen Bücher ebenfalls neugierig?





Men Without Women von Haruki Murakami

Januar 31, 2018







(Original: "Omna no inai Otokotachi"/ 2014) Harvill Secker (Penguin Randome House Imprint), 228 Seiten, Übersetzer/in: Philip Gabriel und Ted Goosen (aus dem Japanischen), gebunden, Englische Ausgabe, ★★★(☆)☆ 3 bis 4 Sterne

Durch alle sieben Erzählungen zieht sich eine Kraft der Beobachtungsgabe, die sich auf das Leben verschiedener Männer bezieht und die alle auf ihr eigene Art und Weise, alleine dastehen. Katzen verschwinden, verrauchte Bars werden besucht, es geht um einsame Herzen und mysteriöse Frauen und alles zusammen ist zu etwas verwoben, um Geschichten zu erzählen, die zu uns allen sprechen.

MEINE MEINUNG / FAZIT

"'Words, they felt, could only cheapen the emotions they were feeling.” S.19
 
Mit diesen sieben Erzählungen wagte ich mich in die Welt des Herrn Murakami. Zugegeben, er wird eher für seine Romane gelobt, als für seine Erzählungen - zumindest fühlt es sich so an -, aber ich wollte mich mit kleinen Schritten an seine Bücher, Ideen und Geschichten annähern.
'Men Without Women' versammelt hier Erzählungen, die tatsächlich auch in eine ähnliche Richtung gelenkt werden, nämlich, dass man sich vor Protagonisten wiederfindet, welche die An- oder Abwesenheit von einer bestimmten Frau oder Frauen im Allgemeinen thematisieren. Die Beziehung zwischen Männern und Frauen steht immer im Fokus. Körperliche Begierden, aber auch die seelische Verbundenheit spielen eine entschiedene Rolle. Zudem regt der Konflikt mit dem anderen Geschlecht auch stets den eigenen seelischen Haushalt der Protagonisten an. Man findet viele psychologische Ansätze wieder, die so bitter sie sich manchmal anhören oder lesen, eine gewisse Ironie in sich tragen. Manchmal viel mir beim Lesen das Wort 'tragisch-schön' zu den Erzählungen ein, weil sie immer etwas Sensibles in sich tragen, was man auf den ersten Blick als offensichtlich und schmerzlich einstuft, was sich aber darunter auch als etwas sehr Zartes enthüllt.
Ich persönlich bin nicht mit allen Geschichten warm geworden. Oder anders gesagt, mit bestimmten Bausteinen der Geschichten.

"I left the coffee shop, and as I walked to the station I wondered what the hell I was doing. Brooding over how things had turned out - after everything had already been decided - was another of my chronic problems.” S.58

Das 'Problem', welches ich mit einigen Stellen hatte, war, dass ich mich mit vielem noch gar nicht identifizieren konnte. Ich hatte das Gefühl, dass auch wenn Jugendlieben thematisiert werden, es immer diesen Anschein von bereits gelebten Wegen gab, Erfahrungen, die mich in meiner jetzigen Lebenssituation auch noch gar nicht beeinflusst haben.
Besonders stark trat das bei den Erzählungen rund um gescheiterte Ehen oder Ähnlichem auf. Grundsätzlich fand ich auch diese Lebenswege sehr interessant beschrieben und auch viele allgemein gültige Aussagen über das Leben wurden in diesen Kapiteln sehr schön ausgelegt, aber ich konnte irgendwann auch nichts mit den vielen sexuellen Anspielungen anfangen. 
Es hatte manchmal den Eindruck von einem männlichen Erzähler, der diese Sache so in den Vordergrund stellt, dass ich manchmal mit den Augen rollen musste. Selbst die letzte Erzählung "Samsa in love", die ich eigentlich grandios fand, hat sich irgendwann in diese Richtung gelenkt und mit Formulierungen gespielt, die mir einfach zu viel waren. Das ist eine sehr persönliche Sichtweise, aber ich muss sowas einfach nicht ständig und in jeder Geschichte haben, wenn es Billionen von anderen interessanten und erzählenswerten Dingen gibt, die mit der Liebe und dem Leben zusammenhängen.
Dennoch muss ich sagen, dass ich von den Ideen Murakamis sehr angetan bin. Darunter fällt auch die eben erwähnte Geschichte rund um Gregor Samsa, der sich über seine menschliche Gestalt wundert. Ebenso gefielen mir auch generell die vielen Auslegungen der Gefühle, die Menschen haben, wenn ihnen etwas / jemand fehlt oder 'genommen wird'. Wie reagieren Menschen auf so etwas und wie zerstörerisch kann ein seelischer Betrug sein?

„Why hadn´t he been turned into a fish? Or a sunflower? A fish or a sunflower made sense. More sense, anyway, than this creature, Gregor Samsa. There was no other way to look at it.” S.189


Sieben sehr interessante und kreative Erzählungen, die sich alle mit den menschlichen Beziehungen beschäftigen. Mal etwas skurriler, mal etwas leiser, aber immer irgendwie mitreißend. Auch wenn mir die vielen, auf die sexuelle Ebene gelenkten Passagen nicht gefallen haben, weil es mir 'zu viel' und sogar manchmal zu unnötig und dadurch zu banal erschien, enthält jede Geschichte wunderbare Zitate, die sich auf das Leben und die Liebe beziehen und die man sich gerne mal zu Herzen nehmen kann.