Elefant von Martin Suter

Februar 25, 2017





(Original: "-" / 2016) Diogenes Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: -, 352 Seiten, gebunden,  ★★★★☆ 4 Sterne 

"Ein Wesen, das die Menschen verzaubert: ein kleiner rosaroter Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Plötzlich ist er da, in der Höhle des Obdach­losen Schoch, der dort seinen Schlafplatz hat. Wie das seltsame Geschöpf entstanden ist und woher es kommt, weiß nur einer: der Genforscher Roux. Er möchte daraus eine weltweite Sensation machen. Allerdings wurde es ihm entwendet. Denn der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der die Geburt des Tiers begleitet hat, ist der Meinung, etwas so Besonderes müsse versteckt und beschützt werden. "


MEINE MEINUNG | FAZIT


Mit Martin Suter habe ich wirklich einen Autor gefunden, der mir in vielerlei Hinsicht aus der Seele spricht. Vor allem in Bezug auf den Profit und die Gier, die Menschen manchmal antreibt. Auch in seinem neuen Roman widmet sich der Autor Themen, welche in der heutigen Zeit immer stärker einer gewissen Normalität gleichen, die es aber definitiv nicht sollten. Wie weit werden Menschen gehen, um die große Sensation bekanntgeben zu können, um so an einen Reichtum zu gelangen? Welche und vor allem wie viele Lebewesen werden dadurch noch auf unverantwortliche Weise behandelt, als seien sie nur Spielzeuge? Diese für mich wirklich wichtigen Fragen stellen den größten Fokus der Geschichte dar. Hinzu kommen aber auch gute Komponenten in Hinblick auf den menschlichen Antrieb, aus seinem Leben etwas zu machen, auch wenn man den Glauben an sich selbst vielleicht schon verloren hat. Diese Vermischung der Themen gelingt Martin Suter recht gut. Er zieht meiner Meinung nach nichts in die Länge, setzt in den Dialogen gezielt die richtigen Worte ein und stößt den Leser immer mal wieder in die Richtung, über negative Machenschaften nachzudenken und die Wissenschaft auch mal von einer kritischen Seite zu betrachten. Blickt man auf den Erzählstil, so entdeckt man wirklich gut gelungene Überlappungen der Geschehnisse. Die Geschichte wird durch detaillierte Zeitangaben definiert und baut so ein Grundgerüst auf, das sich eigentlich erst zum Ende hin, zu einem Ganzen ergibt und dabei umso interessanter wirkt.

"Doch mit der Frage, wie unethisch man zur Verhinderung von etwas Unethischem vorgehen durfte, hatte er sich noch nicht weiter beschäftigt.“  S.173

Für mich persönlich ist das Buch also einerseits natürlich auf gewisse Weise unterhaltsam gewesen, weil es von eigensinnigen Charakteren und Einfällen nur so wimmelt, andererseits ist es aber auch ein sehr kluges Buch, das versucht auf etwas humorvollere Weise, gewisse Schwachstellen im Umgang der Menschen mit Tieren aufzuzeigen. Gewissermaßen konnte ich also gar nicht anders, als das Buch zu mögen. Was mich überrascht hat, war die Intensität, mit welcher ich mich der Gefühlswelt des Elefanten "ausgeliefert" habe. Meist wird die Figur des kleinen, rosa Elefanten gezielt eingesetzt, um die Verbindungen zu den verschiedenen menschlichen Figuren aufzuzeigen, dennoch sind diese Erwähnungen so prägnant, dass sich das Verhalten des Lebewesens fest in der Geschichte verankert und man beginnt, ebenfalls eine Verbindung zu ihm aufzubauen. Die im Vordergrund stehenden Figuren, wie "Schoch" oder "Kaung" sorgen für den "guten" Teil der Geschichte, sie spiegeln sozusagen noch die Hoffnung wider, dass es immer Menschen geben wird, die für andere Lebewesen eintreten. Dadurch entsteht im Buch ein guter Eindruck der Machtverhältnisse, zwischen "Gut" und "Böse". Einige Aspekte der Geschehnisse scheinen manchmal vielleicht etwas zu praktisch, um wahr zu sein, zum Beispiel wenn es um finanzielle Möglichkeiten gibt, aber auch hier hat dies für mich den Reiz der Geschichte ausgemacht. Das Buch wirkt nicht zu ernst, nicht zu verbittert und vor allem nicht zu pessimistisch, hinterlässt aber deutliche Spuren und fordert dazu auf, sich zu hinterfragen, wie weit die Wissenschaft gehen darf und sollte.

"´Butterblumen sind giftig?´

                ´Ja. Manche leicht, manche stark.´

´Und haben so einen gesunden Namen´, wunderte er sich." S.103


Eine durchaus eigensinnige Geschichte über ein kleines, rosafarbenes Lebewesen, das seine Mitmenschen auf Trab hält und für ordentlichen Wirbel sorgt. Gekonnt damit verbunden werden Themen, wie die Reichweite der Wissenschaft und deren skrupellose Gier nach Anerkennung und Reichtum. Durch die im Gegenzug nahbare Welt der ärmeren Menschen, entsteht eine gute und ausgewogene Balance, zwischen einer gewissen empfundenen Unmenschlichkeit der Forschungsgruppe und der gegenüberstehenden Hilfsbereitschaft der Menschen, die für die Rechte anderer Lebewesen einstehen und andere Werte vertreten. Überzeugt durch schöne Konstruktionen innerhalb des Handlungsablaufs und einem angenehmen Erzählstil. Ein deutliches Mitgefühl für den kleinen Elefanten bleibt auch keineswegs aus.

























Vielen Dank an den Diogenes Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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