Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen von Ulla Scheler

August 08, 2016




(Original: "-"/ 2016) Übersetzer/in: - , 368 Seiten, BroschurEinzelband, ★★ 4 Sterne
Bibliografie  auf der Verlagsseite (Heyne fliegt Verlag)»
"Ben ist seit Ewigkeiten Hannas bester Freund. Er ist anders. Wild, tollkühn, ein Graffiti-Künstler, ein Geschichtenerzähler. Und keiner versteht Hanna so wie er. Nach dem Abi packen die beiden Bens klappriges Auto voll und fahren zum Meer. An einen verwunschenen Strand, um den sich eine düstere Legende rankt. Sie erzählen sich Geschichten. Bauen Lagerfeuer. Kommen einander dort nahe wie nie zuvor. Und Hanna hofft, endlich hinter das Geheimnis zu kommen, das Ben oft so unberechenbar und verzweifelt werden lässt. Doch dann passiert etwas Schreckliches …"


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Wir machten die Leute um uns herum wahnsinnig, aber wir fühlten uns golden.
S.10

Es gibt Bücher, von denen man zunächst gar nicht weiß, was man von ihnen erwarten soll. Sie hören sich ganz vielversprechend an, sind aber noch etwas rätselhaft. Und dann, am Ende, haben sie einen irgendwie gepackt und lassen einen nicht mehr los. Genau das empfand ich auch nachdem ich "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen" beendet habe. Die Geschichte beginnt "ganz locker".Die Protagonisten sind natürlich alles junge Heranwachsende um die achtzehn Jahre, es handelt sich schließlich um einen Jugendroman. So denkt man zunächst, es folgt eine ganz typische Road-trip Geschichte zum Meer, im Fokus ein junges Mädchen und ein Junge, und man wisse sofort, wie alles endet. Auch wenn man vielleicht das ein oder andere schlussfolgern kann, bietet das Buch sicherlich einige spannende Momente, die selbst ich, als kein "Teenie" unterhaltsam und teilweise auch sehr gefühlvoll fand. Ich kann zwar nicht abstreiten, dass ich einige Passagen nicht so ausdrucksstark fand, aber es gab im Gegenzug eben auch gewisse Abschnitte, die mich dafür umso mehr mitgerissen und die das Buch für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht haben. Dazu zählt vor allem die recht komplizierte Beziehung zwischen den Protagonisten Hanna und Ben, wie auch die aufregende Einbindung der "Legende", die um den Ort schleicht, an dem sich beide befinden. Ich denke vor allem, Leser, die selbst noch in einer Findungsphase (Abi-zeit und dem Gedanken, was man nun mich sich anfangen soll) befinden, werden viel Gefallen an der Geschichte finden, obwohl sie sich auch mit kritischen Familienverhältnissen und riskanten Handlungen auseinandersetzt. Als "typisch" habe ich diese Reise demnach nicht wirklich angesehen. Die Verbindung der Geschichte mit der Liebe von Ben, Geschichten zu erzählen, fand ich ebenfalls sehr gelungen. Es entsteht eine wirklich tolle Atmosphäre, die einen zum Weiterlesen animiert.

"´Sind wir denn so kompliziert?´ ´Bitte. Wir sind das Tausend-Teile Puzzle mit tausend-undeins Teilen.´S. 209

Einige kleine Sachen haben mich zwar nicht richtig gestört, haben das Buch für mich aber nicht zu hundertprozentig abgerundet. Das bezieht sich aber eher, nur auf einen kleinen, mittleren Teil des Buches, bei dem man tatsächlich nicht ganz weiß, worauf das Ganze nun hinauslaufen soll. Im Gegensatz dazu fand ich es aber schön, wie viel Liebe zum Detail in dem Buch steckte. Im Zentrum stehen viele Erlebnisse, besondere Lieder oder auch Bücher, die dieser Geschichte den ganz speziellen roten Faden geben und die nötigen Gefühle und die Verbundenheit aufkommen lassen, dass man mit den Protagonisten einem Geheimbund angehört. Man hat das Gefühl, dass man sich ebenfalls mit ihnen an diesem Strand befindet und von den Eindrücken mitgerissen wird. Ich persönlich mochte auch sehr den fokussierten Bezug zu einem Gedichtband von E.E. Cummings. Es ist durchdacht, irgendwie romantisch, ist dadurch nicht so oberflächlich und sagt tatsächlich mal was aus. Mir kam einfach ständig der Gedanke, dass dieses Buch ebenfalls eine tolle Verfilmung werden könnte, in dem man diesen stürmischen und aufregenden Sommer gut einfangen kann. Es geht tatsächlich viel um den "Umschwung" im Leben, um Freundschaften, um das Gefühl, etwas nicht loslassen zu wollen und natürlich auch um Liebe. Alles aber in einem durchaus angenehmen Maß. Obwohl ich mich, vielleicht durch mein älter werden (wer weiß), etwas von Jugendbüchern distanziere, muss ich sagen, dass mir dieses Buch sehr gefallen hat. Es beschäftigt sich nicht nur mit den typischen Fragen des Erwachsenwerdens, sondern auch mit ganz menschlichen und unabhängig vom Alter gezielten Problem, die der Mensch so mit sich trägt.

"Vielleicht macht das ein gutes Leben aus. Dass man sich Fragen stellt. Neue Fragen, alte Fragen. Weil sich das Leben in alle Richtungen ausbreitet. Weil es explodieren kann, wegen einem Kringel und einem Punkt. [...] Mann muss keine Angst vor Fragezeichen haben, nur von Punkten." S.343
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Ein Jugendroman geprägt durch ein schönes Zusammenspiel der Protagonisten, gemischt mit einer Legende, die die nötige Spannung bereithält. Mal lustig, mal gefühlvoll und auch nachdenklich. Hat mich vor allem zum Ende hin mitgerissen und überzeugt. Eine recht ausgefallene Idee, geschrieben in einer mal recht simplen und dann auch sehr metaphorischen Sprache, bei welcher manche kurzen Sätze einfach alles nötige aussagen und einen berühren.

 Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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