Neuerscheinungen März

Februar 28, 2017




Mit dem März beginnt bei mir wieder das wirkliche große Ausmisten, Vormerken und die große Vorfreude auf gewisse Bücher. In den beiden Anfangsmonaten des Jahres hält sich das immer noch etwas in Grenzen, dafür muss ich jetzt umso präziser schauen, welche Bücher mich wirklich interessieren und auf welche ich in gewisser Weise verzichten könnte. Insgesamt haben sich aber dennoch immer noch über zwanzig Neuerscheinungen für den Monat März auf meine Liste geschlichen, die ich euch nicht vornenthalten möchte. Ich denke, bei der großen Auswahl wird auch für fast jeden etwas dabei sein.

Wie immer gelangt ihr durch das Anklicken des Titels auf die jeweilige Verlagsseite

"Mein Wildgarten" von Meir Shalev, Diogenes, gebunden, 22. März
Ganz klar, hier ist mir zuerst das schöne Cover aufgefallen. Blumenprints finden immer ganz schnell ihren Weg zu mir. Aber auch ein näherer Blick auf den Inhalt hat mein Interesse geweckt. Geschichten und Erinnerungen zu gewissen Blumen, das hört sich wunderschön Frühlingshaft an und dazu noch mit Illustrationen. Klarer Mitfavorit im März.

"Das Leben der Dinge" von José Saramago, Hoffmann und Campe, gebunden, 17. März
"Ein Sofa erkrankt an Fieber, Türen werden zu angriffslustigen Kreaturen, Briefkästen und ganze Gebäude verschwinden... In seinen Erzählungen nähert sich der große portugiesische Schriftsteller José Saramago einem tiefgründigen und facettenreichen Thema: Was hat es mit "den Dingen" auf sich, die uns alltäglich mit scheinbarer Selbstverständlichkeit umgeben? Welche Macht haben sie über uns" Mehr musste mir die Inhaltsangabe nicht bieten. Für mich hört sich das sehr vielversprechend an und landet auch auf den oberen Rängen. 

"Alles, was ich nicht erinnere" von Jonas Hassen Khemiri, DVA, gebunden,  13. März
Zusammengesetzte Menschenporträts, die eben aus verschiendenen Blickwinkeln entstehen finde ich immer interessant. Daher musste das Buch einfach auf meinen Merkzettel. 

"Wem erzähle ich das?" von Ali Smith, Luchterhand, gebunden, 06. März
Ich liebe es, wenn Menschen über die Literatur sprechen. Auf dieses Buch bin ich daher wirklich sehr gespannt. Leider habe ich bisher noch nichts der Autorin gelesen, was ich aber mit diesesm Buch wirklich gerne ändern möchte.

"New Orleans" von William Faulkner, Insel / Suhrkamp, gebunden, 27. März
Mich können Bücher wie dieses sehr schnell in den Bann ziehen. Skizzen von Schriftstellern sind für mich immer unfassbar interessant. Ich mag es, wenn man sich dadurch etwas näher in die Autoren hineindenken kann und auch mal außerhalb der Texte einen Einblick ihrer Arbeit bekommt. Auch hier: das Buch steht weit oben auf meinem Merkzettel.

"Ein Doppelgänger", "Ich wollt´ dein Bett mit einer Rose schmücken" und "Der Zwerg Nase", Insel-Bücherei Ausgaben, Insel / Suhrkamp, gebunden, 06. März
Ausgaben der Insel-Bücherei landen immer mal wieder auf meinem Merkzettel. Sie sind einfach traumhaft gestaltet und werden meist durch fabelhafte Illustrationen ergänzt. Diese drei sind mir besonders ins Auge gestochen. Daher wandern sie auch sofort auf meine Liste.

"Südkurier", "Flug nach Arras" und "Nachtflug" von Antoine de Saint Exúpery, Karl Rauch, gebunden, 14. März
Die Texte von Antoine de Saint Exúpery sind nicht neu, aber neu aufgelegt. Diese hier kommen in einer schönen Geschenkausgaben-Ausstattung daher und machen definitiv Lust auf mehr vom Autor des kleinen Prinzen. Ich bin schon ganz neugierig auf seine Berichte. 

"Ein Kleid von Bloomingdale´s" von Jane L. Rosen, Goldmann, Taschenbuch, 20. März
In eine ganz andere Richtung, im Gegensatz zu meinen Vorgängern, geht dieses Buch hier. Klingt nach einer leichten und süßen Geschichte, die man gut zwischendurch lesen kann. Ab und zu braucht man sowas einfac auch, daher hüpft es auf meinen Merkzettel.

"Ich bin Niemand" von Patrick Flanery, Blessing, gebunden, 06. März
Spannend klingt das Buch allemal. Wer liest nicht gerne Geschichten über total mysteriöse Geschehnisse und vermeindliche Spielchen? Obwohl mich das Buch wirklich sehr reiz, kommt erst vorerst nur auf meinen Merkzettel, weil es mit vierhundert Seiten meinen Lesevorgang etwas einschränken würde. Derzeit lagen einfach wirklich viele lange Bücher bei mir. Aber es bleibt ebenfalls eines meiner Neuerscheinungen, deren Rezensionen ich sicherlich verfolgen werde.

"Was alles war" von Annette Mingels, Knaus, gebunden, 06. März
Eindeutig wurde ich hier zunächst nur durch das Cover etwas aufmerksamer. Es sieht wirklich hübsch aus. Ein näherer Blick auf den Inhalt offenbart zudem eine ganz interessante Idee. Es geht um die Familie und deren interstrukturellen Beziehungen.

"Die Geschichte der Bienen" von Maja Lunde, btb, gebunden, 20. März
Dass Bienen wichtig für uns sind ist nichts Neues, aber es scheint immer noch nicht wirklich im Bewusstsein der Menschen angekommen zu sein. Mit der Entwicklung des Aussterbens der Bienen beschäftigt sich dieses Buch, weshalb es sofort auf meinem Merkzettel landete.

Weitere interessante Neuerscheinungen im März:
» "Der Muschelsammler" von Anthony Doerr, btb, Taschenbuch, 13. März

» "Paris" von Thankmar von Münchhausen, Pantheon, Taschenbuch, 06. März

» "Kann mir bitte jemand das Wasser reichen?" von Ari Turunen, Piper, Taschenbuch, 01. März

» "Stumme Schwäne" von Ece Temelkuran, Hoffmann und Campe, gebunden, 17. März

» "Tiere für Fortgeschrittene" von Eva Menasse, Kiepenheuer & Witsch, gebunden, 09. März

» "Ein Sommer in Corona Del Mar" von Rufi Thorpe, btb, Taschenbuch, 13. März

» "Sechzehn Wörter" von Nava Ebrahimi, btb, gebunden, 27. März

» "Bankrott" von Pierre Bost, Piper, Taschenbuch, 01. März

» "Eine englische Ehe" von Claire Fuller, Piper, gebunden, 01. März

 "Barney Kettles bewegte Bilder" von Kate de Goldi, Königskinder (Carlsen), gebunden, 24. März

» "Das Gedächtnis der Insel" von Christian Buder, Blessing, gebunden, 06. März



The Pearl von John Steinbeck

Februar 27, 2017



(Original: "-" / 1947) Penguin Clothbound Classics , Übersetzer/in: - , 90 Seiten, gebunden, Englische Ausgabe,   ★★★★ 5 Sterne 

(dt. Inhaltsangabe, dtv Verlag) "Eine mexikanische Saga in die Gegenwart übertragen.
Nahe der mexikanischen Stadt La Paz, am Golf von Kalifornien, führen die Menschen ein armseliges, aber glückliches Leben. Sie glauben den Worten der Priester, die seit vierhundert Jahren predigen, "daß jeder Mensch wie ein Soldat ist, den Gott sandte, um einen Teil des Schlosses, das unsere Erde im Weltenraum darstellt, zu bewachen. Manche stehen auf den Zinnen, manche aber tief unten in der Dunkelheit der Gewölbe. Jeder muß jedoch gläubig auf seinem Posten bleiben ..."
Es ist klar, wo der arme Fischer Keno und seine Frau Juana stehen. Doch als es um das Leben seines kleinen Sohnes Coyotito geht, beschließt Keno, sich gegen uralte Gesetze aufzulehnen und für sein Lebensglück zu kämpfen. Seine Waffe ist eine ungewöhnlich große und schöne Perle ... "


MEINE MEINUNG | FAZIT
 
"´Have I nothing better to do than cure insects bites for ´little Indians´? I am a doctor, not a veterinary.´

     ´Yes, Patron, ´ said the servant.

´Has he any money?´ the doctor demanded." S.15

Klassiker sind meist nicht ohne Grund Bücher, die immer gelesen werden können. Sie spiegeln oft ganz gekonnt die Gesellschaft wider und leben durch ihre immer währende Aktualität. Auch bei "The Pearl" trifft dies sicherlich zu. Die Erzählung rund um Kino und seine Familie, welche nahe der Stadt La Paz leben und kein allzu schillerndes Leben führen, bietet genügend Stoff, um sich wieder einmal vor Augen zu führen, was Gier mit dem Menschen anstellt, was der Gedanke an "den" Reichtum auslösen kann und wohin das Ganze letztendlich meistens führt, einer beinahe schicksalshaften Katastrophe. Mit relativ leichten Sätzen taucht man durch Steinbeck in eine beinahe märchenhafte Erzählung ein, trotz der hin und wieder brutalen Schilderungen. Alles scheint mit der Perle, die gefunden wird zu verschmelzen, so dass nicht nur die Perle eine gewisse träumerische Komponente einnimmt, sondern auch die Umgebung. Vieles wird recht niedlich beschrieben, wenn nicht sogar harmlos. Dabei ist das eigentliche Schicksal der Familie alles andere als das. Hilfreich für die Interpretation des Textes ist auch die am Anfang stehende Einleitung, die gewisse Motive erläutert und erwähnt, dass diese Erzählung auch als Film erschien. Besonders wenn es um die musikalischen Anspielungen des Liedes der Perle geht, klärt die Einleitung hinsichtlich dessen etwas auf, in wie weit die verschiedenen Melodien eine Rolle spielen und warum sie wichtige Bestandteile der Geschichte sind.

"And because the need was great and the desire was great, the little secret melody of the pearl that might be was stronger this morning.“  S.21

Was mir besonders an Steinbecks Erzählung gefällt ist die Kritik an dem Verhalten der Menschen, die die armen, solange sie kein Geld besitzen, als wertlos ansehen und ihnen, wie der Arzt der Geschichte, nur helfen wollen, wenn sie eine Gegenleitung dafür erwarten können. Umso wertvoller der Hinweis darauf, dass die typischen "reichen Weißen" die Menschen verabscheuen, die beinahe ihrer Meinung nach, wie Streuner wirken und wenig besitzen. So wird nicht nur allgemein die Gier nach Geld und Reichtum negativ ausgelegt, vor denen selbst Kino irgendwann nicht mehr sicher ist, sondern eben auch der negative Kontrast zwischen zwei Welten, die es nicht schaffen, sich zu unterstützen. Obwohl das Buch knappe neunzig Seiten umfasst, steckt wirklich viel Wichtiges darin, was man sich zu Herzen nehmen sollte. Allein die Situation der Familie zeigt wunderbar auf, worauf es im Leben ankommen sollte, wann man der Gier entgegentreten muss und wie wichtig es ist, Menschen nicht nur aufgrund einer Gegenleistung zu helfen.

"For it is sais that humans are never satisfied, that you give them one thing and they want something more." S.29


Wunderbarer Klassiker mit vielen wichtigen Ansatzpunkten, die die starken Schwachstellen in der Gesellschaft aufzeigen, wenn es darum geht, ärmere Völker, Länder oder Städte deren selbst zu überlassen. Durch die angenehm träumerische Sprache und Inszenierung des Motivs der Perle, wie im Gegensatz dazu stehen, die brutalen Geschehnisse und Skrupellosigkeiten, die zwischen den Figuren vorgehen, entsteht eine packende Erzählung, die einen bis zur letzten Seite bannt. Nicht nur aus literarischer Sicht, sondern auch aus menschlicher Sicht, würde ich das Buch jedem ans Herz legen.


Elefant von Martin Suter

Februar 25, 2017





(Original: "-" / 2016) Diogenes Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: -, 352 Seiten, gebunden,  ★★★★(☆) 4 bis 5 Sterne 

"Ein Wesen, das die Menschen verzaubert: ein kleiner rosaroter Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Plötzlich ist er da, in der Höhle des Obdach­losen Schoch, der dort seinen Schlafplatz hat. Wie das seltsame Geschöpf entstanden ist und woher es kommt, weiß nur einer: der Genforscher Roux. Er möchte daraus eine weltweite Sensation machen. Allerdings wurde es ihm entwendet. Denn der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der die Geburt des Tiers begleitet hat, ist der Meinung, etwas so Besonderes müsse versteckt und beschützt werden. "


MEINE MEINUNG | FAZIT


Mit Martin Suter habe ich wirklich einen Autor gefunden, der mir in vielerlei Hinsicht aus der Seele spricht. Vor allem in Bezug auf den Profit und die Gier, die Menschen manchmal antreibt. Auch in seinem neuen Roman widmet sich der Autor Themen, welche in der heutigen Zeit immer stärker einer gewissen Normalität gleichen, die es aber definitiv nicht sollten. Wie weit werden Menschen gehen, um die große Sensation bekanntgeben zu können, um so an einen Reichtum zu gelangen? Welche und vor allem wie viele Lebewesen werden dadurch noch auf unverantwortliche Weise behandelt, als seien sie nur Spielzeuge? Diese für mich wirklich wichtigen Fragen stellen den größten Fokus der Geschichte dar. Hinzu kommen aber auch gute Komponenten in Hinblick auf den menschlichen Antrieb, aus seinem Leben etwas zu machen, auch wenn man den Glauben an sich selbst vielleicht schon verloren hat. Diese Vermischung der Themen gelingt Martin Suter recht gut. Er zieht meiner Meinung nach nichts in die Länge, setzt in den Dialogen gezielt die richtigen Worte ein und stößt den Leser immer mal wieder in die Richtung, über negative Machenschaften nachzudenken und die Wissenschaft auch mal von einer kritischen Seite zu betrachten. Blickt man auf den Erzählstil, so entdeckt man wirklich gut gelungene Überlappungen der Geschehnisse. Die Geschichte wird durch detaillierte Zeitangaben definiert und baut so ein Grundgerüst auf, das sich eigentlich erst zum Ende hin, zu einem Ganzen ergibt und dabei umso interessanter wirkt.

"Doch mit der Frage, wie unethisch man zur Verhinderung von etwas Unethischem vorgehen durfte, hatte er sich noch nicht weiter beschäftigt.“  S.173

Für mich persönlich ist das Buch also einerseits natürlich auf gewisse Weise unterhaltsam gewesen, weil es von eigensinnigen Charakteren und Einfällen nur so wimmelt, andererseits ist es aber auch ein sehr kluges Buch, das versucht auf etwas humorvollere Weise, gewisse Schwachstellen im Umgang der Menschen mit Tieren aufzuzeigen. Gewissermaßen konnte ich also gar nicht anders, als das Buch zu mögen. Was mich überrascht hat, war die Intensität, mit welcher ich mich der Gefühlswelt des Elefanten "ausgeliefert" habe. Meist wird die Figur des kleinen, rosa Elefanten gezielt eingesetzt, um die Verbindungen zu den verschiedenen menschlichen Figuren aufzuzeigen, dennoch sind diese Erwähnungen so prägnant, dass sich das Verhalten des Lebewesens fest in der Geschichte verankert und man beginnt, ebenfalls eine Verbindung zu ihm aufzubauen. Die im Vordergrund stehenden Figuren, wie "Schoch" oder "Kaung" sorgen für den "guten" Teil der Geschichte, sie spiegeln sozusagen noch die Hoffnung wider, dass es immer Menschen geben wird, die für andere Lebewesen eintreten. Dadurch entsteht im Buch ein guter Eindruck der Machtverhältnisse, zwischen "Gut" und "Böse". Einige Aspekte der Geschehnisse scheinen manchmal vielleicht etwas zu praktisch, um wahr zu sein, zum Beispiel wenn es um finanzielle Möglichkeiten gibt, aber auch hier hat dies für mich den Reiz der Geschichte ausgemacht. Das Buch wirkt nicht zu ernst, nicht zu verbittert und vor allem nicht zu pessimistisch, hinterlässt aber deutliche Spuren und fordert dazu auf, sich zu hinterfragen, wie weit die Wissenschaft gehen darf und sollte.

"´Butterblumen sind giftig?´

                ´Ja. Manche leicht, manche stark.´

´Und haben so einen gesunden Namen´, wunderte er sich." S.103


Eine durchaus eigensinnige Geschichte über ein kleines, rosafarbenes Lebewesen, das seine Mitmenschen auf Trab hält und für ordentlichen Wirbel sorgt. Gekonnt damit verbunden werden Themen, wie die Reichweite der Wissenschaft und deren skrupellose Gier nach Anerkennung und Reichtum. Durch die im Gegenzug nahbare Welt der ärmeren Menschen, entsteht eine gute und ausgewogene Balance, zwischen einer gewissen empfundenen Unmenschlichkeit der Forschungsgruppe und der gegenüberstehenden Hilfsbereitschaft der Menschen, die für die Rechte anderer Lebewesen einstehen und andere Werte vertreten. Überzeugt durch schöne Konstruktionen innerhalb des Handlungsablaufs und einem angenehmen Erzählstil. Ein deutliches Mitgefühl für den kleinen Elefanten bleibt auch keineswegs aus.

























Vielen Dank an den Diogenes Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Macht das der Februar?

Februar 23, 2017





"Ich bin zwar kein Professor, aber ich hab kapiert, dass in der Zeit des Februars irgendetwas mit uns passiert." (Überschrift und Zitat aus "Thaddeus und der Februar" von Shane Jones)

Mich hat der Februar tatsächlich sehr überrascht, weil ich ungewöhnlich viele Bücher gekauft habe, obwohl ich erst einmal meine ungelesenen Bücher lesen wollte. Dennoch muss ich zu meiner Verteidigung sagen, dass eines der Bücher auch für die Uni vorgesehen ist und ich mich nun für die nächsten Monate gut gerüstet sehe, was meinen Vorrat an Lesematerial angeht. Zudem gab es auch einen wunderschönen Buchgewinn, den ich ebenfalls erwähnen möchte (Bilder werden sicherlich folgen).

» "Liebe in der Nacht und andere Lovestorys" von F. Scott Fitzgerald (Diogenes) Was soll ich sagen. An F. Scott Fitzgerald Büchern kann ich kaum vorbeigehen. Das Buch wollte ich beinahe schon letzten Monat kaufen, habe ich da aber zurückgehalten. Viel hat es nicht gebracht, denn nun ist es doch bei mir eingezogen. Die Ausgabe ist einfach wunderschön gestaltet und beinhaltet sieben Erzählungen des bekannten Autors. Wenn ich wieder Sehnsucht nach den "Roaring Twenties" habe, weiß ich also schon genau, welches Buch bereitsteht.

» "The Pearl" von John Steinbeck (Penguin Clothbound Classics) Auch hier steht das Buch schon sehr lange auf meinem Merkzettel. Es ist zwar recht kurz, soll aber dafür wirklich gut sein. Steinbeck soll hier die Gier der Menschen aufgreifen, was ich als Thema immer sehr spannend finde. Wird also sicherlich nicht lange ungelesen bleiben.

» "Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara (Hanser) An diesem Buch kommt man wirklich gar nicht mehr vorbei. Weil ich sehr gehypten Büchern mittlerweile weder gut noch unfassbar schlecht entgegentrete, lasse ich mich selbst gerne davon überzeugen, ob was dahintersteckt. Daher bin ich schon ganz gespannt auf das wohl etwas schwierige Buch, das momentan alle aufschrecken lässt.

» "Schriftstellerinnen - Leben und Werke berühmter Autorinnen" von Katharina Mahrenholtz und Dawn Parisi (Atlantik) Ein Buch welches bei mir als Rezensionsexemplar eingezogen ist, über das ich mich aber wahnsinnig freue. Es geht um die wichtigsten Werke und Autorinnen der Zeitgeschichte und zeigt so auch mal ganz schön auf, dass auch Frauen diesen Markt dominieren. Ich finde es manchmal wirklich schade, dass die Debüts der Frauen untergehen, obwohl sie oftmals stark herausstechen. Ebenso sieht es schon wunderbar danach aus, als perfektes Geschenk zu gelten, um anderen Lesern mal Tipps in Sachen weibliche Autorinnen zu geben.

» "4 3 2 1" von Paul Auster (faber books) In letzter Zeit scheinen tatsächlich wieder richtige "Brocken" populär zu sein. Nicht nur T.C. Boyle und  Hanya Yanagihara sind hier Beispiele, sondern nun auch der neue Paul Auster. Weil mich Geschichten mit der Frage, wie ein Leben wohl in anderen Bahnen verlaufen hätte können, wahnsinnig interessieren, konnte ich hier wirklich nicht wiederstehen. Es wird sicherlich seine Zeit brauchen, bis ich das Buch ausgelesen habe, aber ich bin wirklich neugierig auf die Geschichte der verschiedenen Lebenswege.

» "Tristan und Isold" von Gottfried von Straßburg (Suhrkamp / Insel Verlag) Unfassbar, dass eine Unilektüre so wahnsinnig schön aussehen kann. In zwei Leinenbänden kommt "Tristan und Isold" daher und bezaubert durch einen blumigen Schuber. Tatsächlich besitze ich schon die Reclam Ausgaben, da aber alle Studenten lieber mit derselben Ausgabe arbeiten sollten, habe ich mich natürlich ganz unfreiwillig dazu bereiterklärt, mir auch dieses Exemplar zu kaufen. Natürlich hat es mich nicht so sehr geschmerzt, nachdem ich die Aufmachung erblickt habe. So kann das Studieren doch wirklich mal Spaß machen!

» "Märchen und Erzählungen" von Oscar Wilde (Nikol Verlag) Schon lange war ich auf der Suche nach einer schönen Sammelausgabe der Werke von Oscar Wilde, eigentlich nur aufgrund meiner allerliebsten Erzählung "Die Nachtigall und die Rose". Glücklicherweise ist mir diese hübsche Ausgabe ins Auge gefallen, welche zehn Geschichten bereithält. Ich bin mir sicher, das wird nicht die einzige Ausgabe bleiben, aber vorerst bin ich sehr glücklich darüber und bin schon voller Vorfreude, die Erzählung noch einmal zu lesen.

» "Romeo und Julia / Der Kaufmann von Venedig / Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare (Nikol Verlag) Obwohl ich "Romeo und Julia" in zwei Varianten besitze, konnte ich bei dieser Ausgabe nicht wiederstehen. Die beiden anderen Stücke wollte ich sowieso noch einmal lesen, da mir die Hogarth Shakespeare Reihe aus dem Hause Knaus wirklich gefällt und ich die Originale kennen möchte. Klarer Vorteil war aber auch hier ehrlich gesagt der Preis. Mal sehen, ob mich Shakespeare also auch in den Bann ziehen kann

» "Östlich der Sonne und westliche des Mondes" (illustriert) von Kay Nielsen (TASCHEN) Das wohl schönste Buch, das mich diesen Monat erreichte ist dieses. Hierzu gibt es leider noch keine Bilder in dem Beitrag, das wird sich aber sicherlich bald ändern. Das Buch habe ich beim Gewinnspiel auf Petzis Blog "Die Liebe zu den Büchern", im Zusammenhang mit dem TASCHEN Warehouse Sale gewonnen. Danke noch einmal an dieser Stelle! Ich habe das Buch geöffnet und war sofort hin und weg. Es handelt sich hierbei um eine Zusammenstellung nordischer Märchenerzählungen und ist einfach fabelhaft illustriert. Hierzu wird sicherlich auch ganz bald eine Rezension folgen.

So kann ich zwar nicht sagen, ob es wirklich am Februar liegt, dass die Bücher sich so angesammelt haben, aber ich finde, dass es sicherlich keine schlechten Auswirkungen auf mich hat.








Melrose von Edward St. Aubyn

Februar 21, 2017












(Original: "The Patrick Melrose Novels" / 2014) Piper Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Ingo Herzke, Frank Wegner, Dirk van Gunsteren und Sabine Hübner, 880 Seiten, gebunden,  Sammelband aus allen fünf vorhandenen "Melrose" Romanen, ★★★(★)☆ 3 bis  4 Sterne 

"Mit seinem furiosen fünfteiligen Romanzyklus um sein Alter Ego Patrick Melrose hat sich Edward St Aubyn weltweit in die erste Riege der zeitgenössischen Literatur geschrieben: Die Romane erzählen Patrick Melroses Geschichte von seiner Kindheit bis zum späten Tod seiner Mutter und schildern dabei so elegant wie unnachsichtig das Erwachsenwerden eines begabten, sensiblen Jungen, das in einer aristokratisch privilegierten Umgebung eine schwarze Hölle aus Missbrauch und Vernachlässigung gewesen ist. St Aubyns Melrose-Romane liegen nun erstmals in einem Band vor. "


MEINE MEINUNG | FAZIT 

"Wer David gut kannte, suchte nach Zeichen des Verfalls, doch die Maske wurde mit jedem Jahr edler. So steif er den Nacken auch machte, hinter seiner dunklen Brille zuckten die Augen unbeobachtet hin und her und taxierten die Schwächen der anderen.S.27

Was für ein Klotz von einem Buch und das in vielerlei Hinsicht. Ganze achthundertundachtzig Seiten umfasst die wirklich bittere Geschichte rund um Patrick Melrose und seine Familie, wie auch sein näheres Umfeld, welche ständig vor seelischen und körperlichen Misshandlungen trieft. So ist es keine wirklich leichte Kost, auch wenn öfters zu hören ist, dass sich die autobiographische Geschichte durch bitterbösen Humor auszeichnen soll. Ich für meine Verhältnisse bin nach der Lektüre ehrlich gesagt etwas sprachlos, da ich zum einen nicht wusste, dass es so stark autobiographische Züge aufweist und zum anderen, weil das Buch tatsächlich einiges von dem Leser abverlangt. Als erstes sicherlich ein gutes Maß an Aushaltevermögen. Denn obwohl ich die Thematik der ganz und gar nicht schillernden "Upper Class" und deren Abgründe, lesenswert, wie auch gut ausgearbeitet fand, mischten sich deutliche Längen mit ein, die das Gesamtwerk zunehmend "dumpf" wirken ließen. Es gibt sehr viele Dialoge, die sich manchmal ziehen und die im Nachhinein deutlich "gezielter" hätten umgesetzt werden können, um diese gesamte Länge der Geschichten etwas "erträglicher" zu machen. Durchaus sehe ich den Reiz in den fünf einzelnen Büchern, die immerhin in einem längeren Abstand erschienen sind und so vielleicht eine wohlproportioniertere Wucht an Information erlauben. Liest man aber diesen Sammelband, muss man sich vielleicht selbst nach jedem "Buch" eine kleine Pause gönnen, sonst wirken eben vor allem die vielen Dialoge sehr überladen.

"Alle nickten düster, und Patrick fragte sich, nicht zum ersten Mal, wie es wohl wäre, frei zu sein, ein Leben ohne die Tyrannei von Sucht, Konditionierung und Groll zu führen.“  S.712

Bezieht man sich allerdings stärker auf den provokanten, aber eben auch sehr offenen und ehrlichen Inhalt der Bücher, so muss man sich eingestehen, dass die Geschichten durchaus großes Potenzial aufweisen. Der Schreibstil mag vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein, aber die Art und Weise, wie Edward St. Aubyn die schwierigen Erlebnisse, des vor allem jungen Patrick Melrose (5 Jahre) schildert, ist unfassbar ergreifend. Selbst wenn es nur eine fiktive Person gewesen wäre, ist man als Leser durch diese Machenschaften der Familie und dem unmöglichen Entkommen des Jungen, mehr als mitgerissen. Das gesamte Bild, welches sich von der gut betuchten und "besseren" Gesellschaft, in welcher sich die Protagonisten befinden, ergibt ist meiner Meinung nach fabelhaft dargestellt. Man spürt förmlich diese Falschheit des ganzen Scheins, an dem aber alle hängen und sich lieber dazu bekennen würden, andere Menschen zu verachten und klein zu halten, statt ihr Ansehen zu verlieren. Besonders einige Passagen, welche die viel besuchten Partys der Upper Class beschreiben sind ein wahrer Genuss für den Leser, weil er fast durchgehend mit dem Kopf schütteln könnte und durch St, Aubyns Ausdrucksweise mehr als gut unterhalten wird, sogar wenn es eben den bitteren Inhalt trägt.

"Patricks Kindermädchen war tot. Eine Freundin seiner Mutter hatte gesagt, sie sei in den Himmel gekommen, aber Patrick war dabei gewesen und wusste ganz genau, dass man sie in eine Holzkiste gesteckt und in ein Loch geworfen hatte." S.31

Ich muss aber auch gestehen, dass mich gewisse Teile ebenso gar nicht oder kaum interessieren beziehungsweise packen konnten. Die Zeit, in welcher der Protagonist Patrick Melrose in der Blüte seiner Zeit steckt (22 Jahre) und sich dem Drogenkonsum widmet, haben mich nach einigen Seiten komplett abgeschreckt. Auch wenn hier die Intensität und Tragik der Autobiographie vielleicht ebenso groß ist, war es für mich schlichtweg zu viel, beinahe ein gesamtes Buch nur über den Vorgang des Spritzensetzens und der Drogenbeschaffung informiert zu werden. So ist es tatsächlich eine Reihe von Romanen, die vielleicht eine gewisse Zeit benötigt und von der man nicht erwarten kann, dass sie sich durch einen "flotten" Erzählstil auszeichnet, sondern tatsächlich das Abbild eines Lebens voller Höhen, aber meistens eher Tiefen ist.

"Patricks Stimme verlor sich. Er drehte die Wasserhähne wieder auf und  lief ins andere Zimmer, um sich einen Bourbon einzuschenken. Ein Bad ohne Drink, das war wie - wie ein Bad ohne Drink. Wozu sich verkünsteln oder Vergleiche finden?" S.244


Fünf autobiographisch geprägte Romane in einem Band, welche die, gar nicht so verborgenen Missstände einer Upper Class Familie und Society aufzeigen. Zeichnet sich vor allem durch seine Sprachgewalt in den richtigen Passagen aus, verfällt aber vielleicht auch etwas in eine zu detaillierte Beschreibung gewisser Lebensumstände, wenn man versucht das Buch in einem Durchgang durchzulesen. Hat einen sehr eigenen Schreibstil, speziell durch die intime Ansicht der Gegebenheiten des Autors in Bezug auf die Protagonisten und des daher stark vorkommenden bitteren Humors bezüglich gewisser Charaktere. Für Leser mit Ausdauer und dem Interesse an autobiographischen Geschichten, ist es aber ein sehr starkes und im Großen und Ganzen auch gelungenes Werk, welches einen aber durch die nicht erfreulichen Erlebnisse, manchmal stärker zu Boden drückt, als man zunächst angenommen hat.




Vielen Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

The Terranauts von T.C. Boyle

Februar 17, 2017








(Original: "-" / 2016) Bloomsbury Publishing, Übersetzer/in:-, 508 Seiten, gebunden,  Einzelband, Englische Ausgabe,  ★★★★☆ 4 Sterne 

Dt. Inhaltsangabe (Hanser Verlag): "4 Frauen, 4 Männer, 2 Jahre in einem riesigen Terrarium. Bestsellerautor T.C. Boyle erzählt vom halsbrecherischen Versuch, eine neue Welt zu erschaffen. In einem geschlossenen Ökosystem unternehmen Wissenschaftler in den neunziger Jahren in den USA den Versuch, das Leben nachzubilden. Zwei Jahre lang darf keiner der acht Bewohner die Glaskuppel von „Ecosphere 2“ verlassen. Egal, was passiert. Touristen drängen sich um das Megaterrarium, Fernsehteams filmen, als sei es eine Reality-Show. Eitelkeit, Missgunst, Rivalität – auch in der schönen neuen Welt bleibt der Mensch schließlich doch, was er ist. Und es kommt, wie es kommen muss: Der smarte Ramsay verliebt sich in die hübsche Dawn. T.C. Boyles prophetisches und irre komisches Buch, basierend auf einer wahren Geschichte, berührt die großen Fragen der Menschheit."


MEINE MEINUNG | FAZIT 

"She was out in the world, your world (what we like to call E1, the original ecosphere) for less than five hours, but even if it had been five minutes, five seconds, the whole thing would have collapsed. Because it was the conceit that counted, and couldn´t anybody see that?S.29

Tatsächlich hat es mich sofort in den Fingern gejuckt, als ich von "The Terranauts" (dt. "Die Terranauten") gehört habe. Die Thematik verführt einen irgendwie dazu, sich direkt mit dem Buch zu befassen. Acht Wissenschaftler in einer Glaskuppel gefangen, um unser Leben unter erschwerten Bedingungen nachzubilden? Klang für mich durchaus sehr verlockend. Nicht zu vergessen, dass es dieses Experiment tatsächlich gegeben hat. Unglücklicherweise finde ich, nimmt die deutsche Inhaltsangabe schon einiges vorweg, was man sicherlich erahnen kann, was aber dennoch besser zur Geltung kommt, wenn man es sich "erliest". (Daher habe ich die deutsche Inhaltsangabe um einen entscheidenden Faktor gekürzt, für alle, die sich etwas mehr überraschen lassen wollen.) Ich muss sagen, dass mich T.C. Boyles neuer Roman sofort gefesselt hat. Man wird definitiv schnell mit den Gegebenheiten vertraut und verspürt auch einen gewissen Drang weiterlesen zu wollen. An vielen Stellen allerdings ist man sich irgendwie, vielleicht unterbewusst, aber schon sicher, was passieren wird. Daher fand ich, lag der Fokus sehr stark auf der Schilderung dessen, wie die Entwicklungen von den Teilnehmern, wie auch die in der uns bekannten "Außenwelt", aufgenommen wurden. Ein wirklich großer Schachzug des Buches ist wohl eben diese Darstellung der wahnwitzigen Denkweisen der Menschen. Die Schaulust und dann doch wieder dieses Desinteresse, die den Wissenschaftlern in der Kuppel gilt. Die Menschen leben ihre normalen Leben und befassen sich nur zu Weihnachten oder anderen besonderen Ereignissen, mit der Mission, wohingegen die "Terranauten" mit immer schwerwiegenderen Umständen zu kämpfen haben. Gut gelungen fand ich aber vor allem auch die häufigen Vergleiche zu der "Vorgänger-Mission" und den vielleicht unterschwelligen Bezugnahmen zu gewissen Personen, die alles zu verbinden scheinen.

"We chatted away, gossiping about everybody who wasn´t present, which had almost become official Terranaut policy [...].“  S.169

Grundsätzlich gefiel mir also die Reflexion der Situation durchaus besser, als die Darstellung der Protagonisten, wobei dies sicherlich auch teilweise beabsichtigt ist. Das Buch verleitet dazu, sich in verschiedene Perspektiven hineinzudenken und einzufühlen und dabei seine Sympathien für gewisse Charaktere zu erneuen oder eben abzulegen. Insgesamt wird das Buch aus drei Sichten erzählt. Zum einen von Dawn, welche Eos oder auch nur E. genannt wird. Linda, einer Außenstehenden Teilnehmerin des Projekts und Ramsay, welcher den Spitznamen "Vodge" trägt. Diese deutliche Einsparung an Inneneinsichten, wenn man bedenkt, dass eigentlich acht Terranauten unter verschiedenen Aspekten auch von unterschiedlichen Empfindungen zu erzählen hätten, sorgt zunächst vielleicht für ein eingeschränkteres Sichtfeld der Rivalitäten untereinander, sorgt aber dafür, dass man sich besser zurechtfindet. Zudem ist es auch sicherlich umso spannender, wenn man nicht alle Details der anderen kennt und man sich so ein wenig auf seine eigenen Erkenntnisse der Geschichte stützen muss. Daher fand ich wirkte die Geschichte, im positiven Sinne, nicht zu überladen. Man konnte sich anhand dieser drei Protagonisten ein ganz gutes Bild der Lage machen und konnte die anderen sechs Teilnehmer auch gut in ihrer charakteristischen "Färbung" wahrnehmen. Was mir persönlich aber immer wieder auffiel, war meine Abneigung Dawn gegenüber. Obwohl man an vielen Stellen Mitleid mit ihr empfinden sollte, war sie mir ständig etwas unsympathisch. Hinzu kommt, dass man zum Ende hin etwas die Motivation verliert, weil sich die Situation zwar zuspitzt, aber paradoxerweise doch etwas verliert. Ich hatte mir tatsächlich etwas mehr "Spannung" erhofft, zum Beispiel in Bezug auf die Leiter der Mission, die durch telefonische Kommunikation ständig in das Geschehen einzugreifen versuchen. Für mich ist es also einerseits ein wirklich gelungenes Buch, das viele interessante Aspekte in Bezug auf das Verhalten der Menschen aufzeigt und deren wahnwitzigen Ideen, aber eben auch ein Buch, das vielleicht manchmal zu "flapsig" daherkam.

"Nothing in, nothing out. That was our mantra." S.30


Ein durchaus lesenswertes Buch, das sich mit den Verhaltensweisen der Menschen beschäftigt und das unter ganz besonderen Umständen, nämlich einem experimentell geschlossenen Ökosystem, welches nun acht Wissenschaftler beherbergen soll. Animiert zum ständigen weiterlesen an, lässt den Leser aber auch oftmals schon viele Vorahnungen spüren, sodass man sich zum Ende hin nicht komplett mitreißen lässt. Dennoch enthält das Buch ganz wichtige Ansichtsweisen und Darstellungen, die aufzeigen, wie merkwürdig die Absichten der Menschen sein können und wie extreme Umstände den Menschen an die Grenzen seiner selbst treiben können.



Die Apokalypse (übersetzt) von Kurt Steinmann

Februar 10, 2017








(Original: "-" aus dem Altgriechischen , 81-96 n. Chr. / 2016 Manesse) Manesse Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Kurt Steinmann, 176 Seiten, gebunden im Schuber, Illustrationen von Daniel Egnéus,  Einzelband, ★★★★☆ 4 Sterne 

"Apokalyptische Reiter, Unheil kündende Engel mit Posaunen, der Zorn Gottes in sieben Schalen, Krieg, Geschwüre und Feuersbrunst ... Wenige Bücher können es an rauschhaften Visionen mit der «Offenbarung des Johannes» aufnehmen, diesem bis heute geheimnisvollen Teil des Neuen Testaments. Die vorliegende Neuübersetzung von Kurt Steinmann unterstreicht den literarischen Rang des gewaltigsten aller Endzeitszenarien."


MEINE MEINUNG | FAZIT

Für mich ist  "Die Apokalypse" als Text allein schwer zu bewerten. Schon im Religionsunterricht konnte ich aus den, mit unzähligen Metaphern und Symboliken der Bibeltexte wenig anfangen. Auch wenn ich an gewisse gläubige Überlieferungen glaube und mir vieles, was in Bezug auf die Nächstenliebe oder gar die Selbstzerstörung des Menschen durch sein Verhalten, verständlich ist, bleiben für mich dennoch viele Texte dieser alten Schriften so abstrakt, dass ich nur schwer einen Zugang dazu finde. Glücklicherweise erlaubt es einem die Neuauflage und auch die neu übersetzte Version der "Apokalypse" nun, sich etwas vertrauter mit den Texten zu machen, da sie dem Leser gewisse Hintergrundinformationen zu vielen Aussagen gibt. Man schlängelt sich so langsam am Text und dann an den dazugehörigen Anmerkungen entlang und erkennt, dass man bisher vieles gar nicht so gedeutet hat, wie es vielleicht gemeint war. Für mich war es jedenfalls eine ganz neue, literarische Erfahrung, da sich mein gezieltes Wissen über dieses wohl schreckliche Ereignis aus fiktiven Serien wie "Supernatural" ergab (heutzutage bin ich mir aber sicher, dass ich kein Einzelfall bin). Ja, ein Skandal könnte man meinen und irgendwie habe ich mich beim Lesen auch dabei ertappt, dass ich durch die neu gewonnenen Ansichten ein viel größeres Interesse an den biblischen Texten bekommen habe. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich den Texten, so interessant sie auch sein mögen, immer skeptisch gegenüber stehen werde. Ich fand "Die Apokalypse" an einigen Stellen so offensichtlich "gepresst" und "zurechtgestutzt", wie auch an mancher Stelle gar nicht so "christlich", dass ich immer zwischen Begeisterung und Ablehnung schwankte. Grundsätzlich ist dies aber ein, heute wohl immer noch, heikles Thema, da der Glaube immer zu unterschiedlichen Meinungen tendiert und man sich vielleicht über die Anmerkungen (hier im Buch) hinaus mit der richtigen Bedeutung beschäftigen müsste.

"Wen ich liebe, den rüttle ich wach und erziehe ihn. Reiß dich nun also zusammen und ändere dein Denken!“  S.31

Was mir an dieser Ausgabe aber besonders gefällt, sind vor allem auch zwei weitere Dinge. Zunächst einmal müssen die wirklich tollen Illustrationen erwähnt werden. Sieben sind es an der Zahl (was man vielleicht im Kontext zur "Apokalypse" verschwörerischer Weise auch deuten könnte), welche sich im gesamten Buch verteilen. Die Szene, die abgebildet ist, wird zudem noch einmal mit dem passenden Zitat der Stelle im Text, versehen, sodass man sich vielleicht auch die etwas abstrakteren Darstellungen besser interpretieren kann. Was mich aber ebenso überzeugt hat, war das informative Nachwort des Buches. Dort wird noch einmal darauf eingegangen, wer überhaupt "Johannes" ist, der diesen Text verfasst hat und welche Resonanz es durch diese "Offenbarung" in der damaligen Zeit gab, beziehungsweise wie die Kirche selbst dazu stand. Obwohl es nur einige Seiten sind, geben sie wirklich einen guten Einblick darüber, welche Dinge man beachten sollte, wenn man sich auf den Text einlässt und welche Äußerungen man mit dem nötigen Kontext betrachten muss. So bietet das Buch also nicht nur eine gute, verständliche und modernere Variante der "Apokalypse", sondern wird durch informative und wissenswerte Anmerkungen, wie auch ein nötiges (vielleicht besonders in der jetzigen Zeit, in der das Interesse für biblische Texte eher schwindet) Nachwort, welches die Grundlegenden Fragen klärt und zusätzliche Aufschlüsse über die Lektüre erteilt.

"Als das Lamm das siebte Siegel öffnete, trat im Himmel vollkommene Stille ein und währte ungefähr eine halbe Stunde lang." S.51


Die berühmt berüchtigte "Apokalypse" in neuem Gewand. Nicht nur ist der Text neu übersetzt und somit moderner und verständlicher, sondern er ist auch durch sieben bemerkenswerte Illustrationen geschmückt. Für ein besseres Verständnis der Metaphern und der Symboliken, wurde nicht an informativen Anmerkungen und einem interessanten Nachwort gespart. Alles zusammen ist ein tolles Buch für alle, die sich mit schönen Ausgaben beschäftigen, unabhängig von der Zustimmung oder Ablehnung des Inhalts. Mir gefiel vor allem, dass das Buch auch kritische Bemerkungen äußert und darauf achtet, dennoch sachliche Erläuterungen zu bieten.