#Leseparty zur Leipziger Buchmesse

März 23, 2017







Heute ist wieder ein Tag, an dem die Herzen vieler Büchermenschen höher schlagen. Die Leipziger Buchmesse öffnet ihre Tore und lockt mit tollen Veranstaltungen, Lesungen, Autoren und natürlich Büchern. Für alle, die jedoch nicht anwesend sein können gibt es eine Alternative, die ich sehr attraktiv finde. Es handelt sich um die berühmt berüchtigte #Leseparty. Während Twiiter, Instagram und andere Social Media Kanäle überlaufen mit Bildern des Messegeländes, widmen sich die Daheimgebliebenen dem Posten des eigenen, aber eben auch gemeinsamen Lesefortschritts. Während des 23. bis 26. März lesen wir also was das Zeug hält.

Die Liebe Petzi von "Die Liebe zu den Büchern" hat sich wieder einmal bereiterklärt und dient als "Moderatorin" der Leseparty. Hier könnt ihr auch noch einmal alles etwas genauer nachlesen. Für alle die mitmachen wollen; den Hashtag #Leseparty nicht vergessen, wenn ihr darüber auf Twitter etc. postet.

Derzeit stehen ganze fünf Bücher auf meiner Leseliste. Ganz sicherlich habe ich mich damit komplett übernommen, aber no risk - no fun. Vielleicht wird sich auch stimmungstechnisch spontan etwas ändern, das werde ich dann aber alles in dem Beitrag ergänzen. Die Titel und alle Angaben werden also passend zu den jeweiligen Uhrzeiten hinzugefügt.

Dieser Beitrag soll also nicht nur als Info für den Start der #Leseparty, sondern auch als Update-Post dienen. Daher werde ich all meine gelesenen Bücher, meine Leselaunen und dergleichen immer mal wieder aktualisieren. Wer also Interesse daran hat zu erfahren, welche Bücher ich letztendlich tatsächlich beendet habe, was mir dazu im Kopf herumschwirrt und wie ich die gestellten Fragen beantworte, der darf gerne immer mal wieder auf diesen Post zurückgreifen. Ich wünsche allen Teilnehmern, hier, wie auch auf der Buchmesse, fantastische Tage mit vielen Büchern. Lasset das Lesen beginnen!


Donnerstag, 23. März

Gestellte Fragen: Welche Bücher habt ihr euch denn für die #Leseparty vorgenommen? 
Ich habe mir ganze fünf Bücher vorgenommen, die ich sicherlich nicht alle schaffen werde. Darunter sind: "Alles was ich nicht erinnere", "Lila" (spontan beim Nrw Buchbloggerstammtisch-Treffen ergattert - war aber auch reduziert, von daher völlig legitim), "The Robber Bride", "Wem erzähle ich das?" und "Mein Wildgarten"

Uns interessiert, welche Genres ihr bevorzugt lest. Gegenwartsliteratur? Thriller? Krimi? Young Adult? ... Oder lieber querbeet?
Eigentlich bin ich da nicht so festgefahren. Ich lese gerne alles, was mich thematisch anspricht und auch einen gescheiten Eindruck macht. Da steht das Genre bei mir nur an zweiter Stelle. Dennoch fällt mir auf, dass ich sehr selten oder fast gar nicht zu Krimis greife und auch historische Romane á la Ken Follet stehen nicht unbedingt an erster Stelle, obwohl ich historische Einflüsse in "normalen" Romanen mag. Zu Young Adult greife ich mittlerweile nur noch sporadisch. Es gefällt mir zwar, ab und zu Geschichten zu lesen, die aus "jüngerer" Sicht erzählt werden, oftmals sind mir die Geschichten nun aber auch zu flapsig und stereotypisieren die Jugendwelt zu stark. Aber es gibt ja immer und überall Ausnahmen. Daher wie gesagt: Genre an sich nicht so wichtig, hauptsache die Handlung klingt gut (und beweist sich am besten dann auch durch ihren Schreibstil).

13:50: Etwas verspätet, aber dafür umso motivierter starte ich jetzt auch mit der Leseparty. Auf Twitter hab ich mich etwas eingelesen, was die erste Frage betrifft und nun werde ich, denke ich zumindest, mit "Alles, was ich nicht erinnere" von Jonas Hassem Khemiri starten. Wollte ich schon vor einigen Tagen, aber durch "Ein wenig Leben" hats einfach nicht geklappt.

15:30: Kleine Kaffee- und Schoko-Pause.

17:00: Knappe hundert Seiten habe ich von "Alles, was ich nicht erinnere" gelesen und muss sagen, dass es mir bisher ganz gut gefällt. Erstmal etwas ungewohnt, aber man kommt nun gut voran. Durch die kurzen Erzählkapitel trödel ich aber leider dadurch etwas zu oft.

18:50: Wieder einmal eine kleine Pause gemacht. Es lief "gefragt-gejagt", da musste ich meine Quiz-Sucht etwas stillen. Habe aber auch einige weitere Seiten gelesen und denke, dass ich mich auch die nächste Stunde ebenfalls mit dem Buch zurückziehen werde.

20:15: Noch einige Seiten geschafft. Jetzt wird erst einmal "Criminal Minds - Beyond Borders" eingeschaltet, um zu schauen ob es mit dem Orginal "Criminal Minds" mithalten kann. In der Werbung werde ich aber natürlich weiterlesen.

23:10: Die Mischung aus Fernsehen und Lesen war gar nicht so schlecht. Die Hälfte des Buches ist gelesen. Die Müdigkeit hat ein wenig gesiegt, obwohl ich gerne weitergelelsen hätte. Da morgen aber auch noch ein weiterer Leseparty-Tag ist, habe ich das Gefühl, dass ich das Buch beenden werde und dann mit einem neuen starten kann.

Freitag, 24. März 

Gestellte Fragen: Welche drei Bücher sind zuletzt bei dir eingezogen?
Das müssten "Lila" von Marilynne Robinson,  "Wem erzähle ich das?" von Ali Smith und "Ein Kleid von Bloomingdales" von Jane L. Rosen gewesen sein. Da ich die Bücher meist gerne sofort lese, die ich mir kaufe, sind zwei davon auch schon bei der Leseparty-Liste vertreten.

Welche Romanverfilmungen könnt ihr uns empfehlen?
Viele Leute sind bei sowas ja immer frei nach dem Motto: "Das Buch war viel besser als der Film". Bei mir ist es komischerweise einfach so, dass ich den Film als Ergänzung zum Buch sehe und ihn nicht unbedingt mit dem Buch gleichsetzen muss. Daher mag ich erstaunlich viele Verfilmungen. Ich mochte zum Beispiel "Ein ganzes halbes Jahr", "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" oder auch die Dystopie-Romane wie "Tribute von Panem" und nun auch "Maze Runner". Ich finde es einfach interessant, wie die Ideen umgesetzt wurden.  Ich mag aber auch aufjedenfall die Klassiker, wie "Frühstück bei Tiffany", welches im Film deutlich "fröhlicher" rüberkommt oder auch "Stolz und Vorurteil". Dank des Twitter-Austauschs ist auch noch "Stardust" hinzugekommen. Definitiv eines meiner liebsten Bücher und auch Filme. Im Film kommen vor allem noch einige Elemente vor, die im Buch fehlen und die dem ganzen noch etwas mehr "Magie" verleihen.

Wenn du jetzt fünfzig Euro bekämst, welche Bücher würdest du dir davon kaufen?
Ich glaube jeder von uns hat auf seinen Wunschlisten weitaus mehr Bücher, als für fünfzig Euro gelistet. Das ist eine der schwierigsten Entscheidungen für mich, wenn ich jedes Mal wieder aufs neue überlege, was ich mir als nächstes kaufen soll. Wenn ich aber mal so ganz spontan entscheiden sollte (mit Blick auf meine Wnuschliste) wären es wohl die Ausgaben der Bronté Schwestern aus dem DVA Verlag. Ich finde sie so unheimlich hübsch anzusehen. Sind zwar Klassiker und ich habe sie auch schon in anderen (englischen) Ausgaben, wenn ich aber das Geld hätte, würde ich mir diese sofort, als Hingucker für das Regal, ebenfalls kaufen.


10:30: Es ist wieder einmal geschehen. Tief und fest war ich davon überzeugt schlafen zu gehen, habe mir das Buch auf meinen Nachttisch gelegt, denn wir wissen alle, dass uns das als Büchermenschen irgendwie beruhigt, und musste mich dann geschlagen geben. Das Buch hat mich nicht mehr losgelassen, gar nicht zwingend aufgrund des wunderbaren Schreibstils, aber doch wegen den Fragen, die offen bleiben. Man will einfach zu gerne wissen, was passiert. Naja, nun habe ich nicht einmal mehr hundert Seiten übrig, die ich sicherlich bis heute Mittag zu Ende lesen werde. Danach wird die Rezension verfasst, bevor ich hoffentlich noch mit einem anderen Buch starte. Einziger "Nachteil": Heute ist Wochenende und da hat man komischerweise immer noch weniger Zeit, als während der Woche.

13:40: Mein erstes Buch "Alles, was ich nicht erinnere" habe ich nun beendet. Nun erst einmal die Gedanken sammeln und dann anschließend die Rezension verfassen. Mal sehen,  ob ich es dann noch schaffe heute mit einem neuen Buch zu starten oder ob ich mir das für morgen aufhebe.

14:25: Rezension geschrieben und nun wird ein kleines Päuschen gemacht. Nach einem Buch brauche ich einfach immer etwas "Nachdenkzeit", um nicht mit der Atmosphäre des einen Buches, in ein neues einzutauchen. Vielleicht starte ich aber gleich noch für einige Seiten schon mit "Mein Wildgarten" von Meir Shalev. Dank "Primeballerina"s Vorschlag auf Twitter, musste ich nicht selbst wählen, welches Buch ich als nächstes lese. Bin aber schon ganz gespannt auf das Buch.

18:00 Pause gemacht für "gefragt-gejagt", aber zwischendurch einige Seiten von "Mein Wildgarten" gelesen und ich bin jetzt schon sehr angetan. Enthält nämlich vierzig Illustrationen und ist wunderbar aufgemacht. Denk aber, ich bin mache jetzt noch eine etwas größere Pause, hab nämlich noch etwas vor. Geupdated wird aber danach!



Antoine de Saint-Exupéry Geschenkausgaben

März 22, 2017








Antoine de Saint-Exupéry ist den meisten durch den weltweit großen Erfolg von "Der kleine Prinz" ein Begriff. Eine zauberhafte Geschichte über das, was im Leben wirklich wichtig ist. Leider fällt die Aufmerksamkeit für seine weiteren Bücher dadurch etwas kleiner aus. Umso erfreulicher habe ich der Ankündigung und Umsetzung einer Neuauflage von drei seiner Bücher, entgegengesehen. Der Karl Rauch Verlag hat sich dazu entschlossen die Titel "Südkurier", "Flug nach Arras" und "Nachtflug" in einer Sonderedition herauszubringen, besser gesagt als handliche Geschenkausgabe. Alle drei Bücher kommen natürlich im selben Format daher und ergänzen sich schön durch eine abwechslungsreiche, aber passende Farbpalette. Es gibt zwar keinen Schutzumschlag, aber das Material der Bücher an sich ist dennoch etwas Besonderes. Sie machen einen etwas "krepp"-artigen Anschein, liegen aber gut in der Hand und wirken vor allem als Geschenk auch wirklich bezaubernd. Sie sind etwas kleiner als die Normalgröße von Büchern, aber die Schrift ist meiner Meinung nach noch wirklich akzeptabel. Durch ihre Handlichkeit kann man sie dadurch aber wunderbar unterwegs lesen und sich so die Zeit mit Antoine de Saint-Exupérys wunderschöner Erzählweise versüßen.

"Nachtflug" (Original: "Vol de núit / 1931) von Antoine de Saint-Exupéry, Übersetzer/in: Annette Lallemand, 128 Seiten
Die Anfänge der Luftpost in Südamerika: Man fliegt nachts, um schneller als die Konkurrenz zu sein. Es sind heroische Zeiten, die heldenhafte Persönlichkeiten verlangen. Ein Held ist der Pilot Fabienne, der in ein gewaltiges Gewitter gerät und um sein Leben kämpft. Ein Held ist auch der Direktor der Bodenstation, der im Zwiespalt zwischen Pflichtgefühl und Menschlichkeit die Konflikte des Alltags zu lösen versucht. Antoine de Saint-Exupérys Buch wurde 1931 erstmals veröffentlicht.
Der Einstieg in dieses Büchlein war für mich tatsächlich etwas holprig. Obwohl es ein verständliches Vorwort gibt, haben mir die ersten paar Seiten etwas Orientierungslosigkeit bereitet. Ich wusste zunächst gar nicht so recht wie ich die Charaktere einordnen soll. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mich erst ein wenig an den Schreibstil gewöhnen musste. Obwohl man ja Saint-Exupérys träumerische Züge kennt, war ich doch überrascht von der beinahe blumigen Erzählweise. Es treten sehr starke Bezüge zu den Himmelskörpern auf. Es zieht den Erzähler deutlich zu der Macht der Sterne, des Mondes der flackernden Lichter, die ihn umgeben. Alles trägt zunächst etwas dazu bei, dass man sich an einigen Stellen zu verlieren scheint, was die Handlung betrifft. Hat man sich aber etwas darauf eingelassen, so entfaltet die Geschichte eine ganz eigene Romantik, die aber auch von Verlust geprägt ist; vom Siegen und vom Verlieren und der Grenze, die man manchmal nicht mehr zu erahnen scheint. 

"Er sah zu den Sternen hinauf, die über dem schmalen Streifen, den die Leuchtreklame frei ließen, nur noch scheu flimmerten und dachte dabei: > Mit meinen zwei Kuriermaschinen, die noch in der Luft sind, bin ich heute Nacht verantwortlich für einen ganzen Himmel. [...]" S.51

Für mich ist die Thematik tatsächlich ebenfalls eine ganz neue. Mit den Anfängen der Luftpost habe ich mich bisher recht wenig auseinandergesetzt, was mir vielleicht auch hier etwas zum "Verhängnis" geworden ist. Ich musste mich ganz neu auf die Schwierigkeiten der Betroffenen einstellen. Jedoch hat mir die kurze aber durchaus starke Erzählung gut gefallen. Und das eben genau aufgrund der mir zunächst nicht zusammenfallenden Zusammenhänge. Es ist eine Geschichte, mit der man sich aufgrund ihrer Kürze sehr gut öfters auseinandersetzen kann und vielleicht das ein oder andere Mal, erst beim zweiten Lesen, auch ihre wirkliche Bedeutung versteht. 


"Südkurier" von Antoine de Saint-Exupéry, Übersetzer/in: Paul Graf Thun-Hohenstein, 176 Seiten
Es geht um Liebe, Einsamkeit und Flucht aus dem Alltag. Der Flieger Jacques Bernis findet seine Jugendliebe Genovefa wieder. Auf dem Flug von Toulouse nach Saint-Louis du Sénégal – er der niemals eintreffen wird – lässt Bernis die Ereignisse der vergangenen Monate Revue passieren. Die Geschichte einer schicksalhaften Lebenssituation, in die mitreißende Beschreibungen von Landschaften und Himmelsformationen eingebettet sind. 
Auch hier zeichnet sich die Geschichte für mich, durch eine ganz eigene Zartheit und Verletzbarkeit aus. Wieder tritt die Aufgabe des "Kuriers" in den Vordergrund, wird aber durch viele weitere Komponenten, die das Leben bestimmen und scheinbar wertvoll machen, ergänzt. "Leider" ergibt sich für mich an viele Stellen, was die Erzählungen von Saint-Exupéry angeht, noch keine große Gemeinsamkeit. Für mich ist der Anfang und das Ende immer merkwürdigerweise etwas von der Mitte losgekoppelt, als seien es ganz andere Stadien oder Abläufe von Erzählsträngen. Aber ich muss auch sagen, dass mich das am Ende nie so ganz stört, weil der Text den Leser dazu auffordert, mal wieder etwas länger darin zu verweilen und nicht alles nur herunterzulesen und dann alles zu vergessen. Für den einen mag es vielleicht zu anstrengend sein, aber ich mag dieses etwas Geheimnisvolle, das mir sich erst nach und nach erschließt. Auch hier sind viele Metaphern enthalten, die sich auf Lichter, auf den Wind sogar auf die Symbolik des Meeres beziehungsweise des Schiffes beziehen. Alles aber in einer ganz stimmigen Atmosphäre. Ich mag aber an den Charakteren, dass sie nach dem Leben als solches trachten. Sie sehen sich nach etwas, das ihnen nicht vergönnt scheint und dennoch ist die Erzählung so lebendig. 

"Neben ihr lag das Kind und atmete leise: War das nicht der Motor der ganzen Welt, und die Welt wurde durch dieses zarte Atmen belebt?" S.62

"Flug nach Arras" von Antoine de Saint-Exupéry, Übersetzer/in: Fritz Monfort, 240 Seiten
Frankreich steht vor der Kapitulation, und doch wird so getan, als sei die Schlacht noch nicht entschieden. In niedriger Höhe sollen Antoine de Saint-Exupéry und seine zwei Begleiter bei einem Aufklärungsflug feindliche Panzerverbände erkunden. „Ohne ein genaues Ziel werden Besatzungen geopfert. Pflichtgemäß erlassen die Stäbe ihre Befehle […], sie verlangen Erkundungen, die unmöglich einzuholen sind“. Antoine de Saint-Exupéry überlebte den Einsatz und veröffentlichte sein Buch 1942
Für mich war diese dritte Lektüre die, die mir am meisten gefallen hat. Vielleicht weil sie Saint-Exupérys eigene Ansichten über den Krieg und deren, wie beschrieben, Sinnlosigkeit offenbart. Man spürt auch hier philosophische Denkweisen, eine gewisse Verträumtheit und einen Hang zur Zartheit, aber im Gegensatz macht sich hier auch die Trauer über das Verhalten der Menschheit breit. Allein schon der Anfang hat mich sehr für sich eingenommen. Die Beschreibungen, wie die "Kämpfer" von den Offizieren gesehen werden, wie sie sich aufopfern und wie sie sich selbst versuchen müssen zu retten, hat mich wirklich tief getroffen und hat mich, so merkwürdig es klingen mag, Antoine de Saint-Exupéry näher gebracht. Denn er beschreibt wirklich tiefgründige Dinge, die ihn beschäftigen, die aber schienbar niemanden interessieren, weil die "große Aufgabe" (der Krieg) es verlangt, dass man einfach bereit ist dafür zu sterben. Und Saint-Exupéry fragt sich ob es das überhaupt wert ist, den eigenen Tod so vorgesetzt zu bekommen. Wirklich bewegend und meiner Meinung nach mit einer sehr starken Botschaft. Dieses Buch sagt so viel über das Leben aus, dass ich es am liebsten jedem als Geschenk übergeben wollen würde, auch wenn die Thematik des Kriegs alles andere als "fröhlich" ist. Aber ich würde Leuten immer wieder gern Texte ans Herz legen, die verdeutlichen, dass das Menschsein mehr sein sollte, als ein Kampf um Sieg und Niederlage.

"Wir sind weiter nichts als Objekte in der allgemeinen Sinnlosigkeit. Für ihn sind wir nicht Saint-Exupéry oder Dutertre, mit ihren eigenen Gaben, die Dinge zu betrachten oder nicht zu betrachten, zu denken, zu marschieren, zu trinken und zu lachen. Wir sind Steine eines großen Baus, der mehr Zeit, mehr Schweigen und mehr Abstand erfordert, um in seinem Zusammenhalt erkannt zu werden." S.25






























Vielen Dank an den Karl Rauch Verlag für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare!


Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara

März 19, 2017







(Original: "A Little Life" / 2016) Hanser Berlin Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Stephan Kleiner, 960 Seiten, gebunden,  ★★★★ 5 Sterne 
Offizielle "Ein wenig Leben"-Homepage
""Ein wenig Leben" handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe – ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Immer tiefer werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. "Ein wenig Leben" ist ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft als wahre Liebe. Es begibt sich an die dunkelsten Orte, an die Literatur sich wagen kann, und bricht dabei immer wieder zum hellen Licht durch. "


MEINE MEINUNG | FAZIT

"´Es wird besser werden´ , sagte sie, und er nickte, weil er sich sein Leben nicht vorstellen konnte, wenn es nicht besser werden sollte." S.139

Kennt ihr dieses Gefühl, das euch überkommt, wenn ihr ein Buch gelesen habt, dass euch bis zum Schluss aufgewühlt und mitgenommen hat, ihr im Anschluss versucht es sacken zu lassen, schaltet zur Ablenkung den Fernseher ein und euch erscheint plötzlich alles so plump und nichtig? Genau das ist mir mit diesem Buch geschehen. Bereits zu Beginn der Lektüre hatte ich einige Gedanken dazu niedergeschrieben (Gedankenschnappschuss: Ein wenig Leben). Selbst an dem Punkt hat mich die Schreibweise unfassbar berührt und für sich eingenommen, auch wenn das Geschriebene nicht harmlos ist und die Dinge, die den Protagonisten wiederfahren größtenteils traumatisch sind. In allem was die Autorin schreibt, die Art und Weise wie sich die bestimmte Figuren zu den Geschehnissen äußern, existiert so eine Poesie, dass man denkt, es stehe im Gegensatz. Mir kam es aber immer mehr so vor, als wäre es die einzige Möglichkeit das Gesagte erträglich zu machen, die einzige Erzählweise, die den Leser nicht auch vollkommen vernarbt zurücklässt. Denn die Figuren, die Freundschaften, die Streitereien, die Kämpfe die dieses Buch schildert, zerren an dir und bitten dich aber gleichzeitig Empathie zu empfinden. Man kann es nicht leugnen, es wird tatsächlich von Kapitel zu Kapitel schwerer und nervenaufreibender. Zu lesen wie stark manche Menschen sein müssen und sich ein Schutzschild aufbauen müssen, um das zu ertragen, was ihnen wiederfahren ist. Umso stockender die Augenblicke, die aufzeigen, was wirkliche Freunde alles aufgeben, sich aufopfern, um einem dabei zu helfen Dinge durchzustehen. Und so sehr es nach einem Klischee klingt; man weiß nichts über das Buch, kann es eigentlich kaum in Worte fassen, solange man es nicht selbst gelesen hat. Wichtig ist nur, dass man vor allem wissen muss, dass es sehr sensible und auch selbstzerstörerische Themen beinhaltet, die traurigerweise zu vielen Schicksalen der Menschen gehören.

"Er lächelte, als er daran zurückdachte; manchmal wünschte er, einen Verstand wie JB zu haben, einen, der Geschichten ersann, die andere erheiterten, und der so anders war als sein eigener, der ständig nach Erklärungen suchte, Erklärungen, die, auch wenn sie vielleicht zutrafen, frei von Romantik waren, von Witz, von Esprit.“  S.178

Ich habe mir versucht Notizen zu machen; Stützen die das fast tausendseitige Buch etwas eingrenzen und kategorisieren können. So etwas wie, dass es aufzeigt was Freundschaft wirklich ausmacht und all ihre Facetten offenlegt. Dass es den Leser sensibel für sehr ernste Themen macht und es gleichzeitig den Impuls sendet, sich stärker mit seinem Umfeld auseinanderzusetzen, darauf zu achten, wenn man merkt, dass es geliebten Menschen nicht gut zu gehen scheint. Oder auch, dass Jude als Dreh- und Angelpunkt angesehen wird, mit ihm aber so viel mehr in Verbindung gesetzt wird und dass Missbrauch, wie auch Prostitution stark thematisiert werden. Letztlich sind dies aber eben nur Randnotizen. Das Buch hat mich zum Schluss wirklich so berührt, dass mir schlichtweg nur noch ein Kloß im Hals stecken bleibt, wenn ich daran denke. Es ist ein Buch, bei dem man sicherlich einiges bemängeln könnte, bei dem man sich fragen könnte, in wie weit die geschilderten Erlebnisse realistisch sind, in wie weit sie Menschen schockieren oder  traumatisieren können, wenn sie ähnliches durchgemacht haben (oder machen). Aber ich finde es ist ein Buch, das ebenso die Wichtigkeit dessen aufzeigt, was in der Gesellschaft immer verschwiegen wird, nämlich dass Dinge geschehen, die furchtbar sind und dass die Psyche des Menschen darunter leidet, so sehr, dass alles zu einem Kampf wird. Ja, das Buch ist heikel und verlangt viel von einem ab, aber es ist ein Buch das wir meiner Meinung nach auch brauchen, um uns vor Augen zu führen, worauf man abseits der "fiktiven" Handlungen des Buches achten sollte und Menschen aufhören müssen die Augen vor schlimmen Themen zu verschließen. Aber auch sie gibt es im Buch, die positiven Momente im Leben, die Liebe die Menschen einem entgegenbringen und einen zusammenhält, die lustigen Sachen, die manchmal wiederfahren und dieses enge Band, das Freunde miteinander verbindet.

"Das Leben war beängstigend; es war voller Ungewissheiten. Selbst Malcoms Geld machte ihn nicht völlig immun dagegen. Das Leben würde ihm widerfahren, und er würde versuchen müssen, darauf zu reagieren, so wie sie das alle mussten." S.665


Ein Buch, das sehr traumatische Ereignisse und den schwierigen Umgang damit thematisiert. Man kann zwar wirklich viel darüber schreiben, letzten Endes muss man es aber gelesen haben um die Wucht des Buches zu verstehen. Unfassbar ergreifend bis zur letzten Seite.
























Vielen Dank an den Hanser Berlin Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Coco Chanel von Megan Hess

März 12, 2017








(Original: "Coco Chanel. The Illustrated World of a Fashion Icon" / 2015) Prestel Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , Übersetzer/in: Christine Schnappinger, 208 Seiten mit zahlreichen Illustrationen, gebunden,  ★★★★ 4 Sterne 

"Coco Chanel hatte einen immensen Einfluss auf die Damenmode des 20. Jahrhunderts. Die Designerin revolutionierte mit ihren genialen Entwürfen das damalige Verständnis von Weiblichkeit, ihre Ideen prägten die Modewelt viele Jahrzehnte lang und wirken bis heute nach. Dieser Band erzählt die Geschichte des Hauses Chanel und seiner mondänen Erschafferin in zauberhaften Illustrationen: In ihrem leichten, schwungvollen Zeichenstil hält die renommierte Illustratorin Megan Hess die wichtigsten Momente aus Coco Chanels bewegtem Leben fest und zeigt jene ikonischen Entwürfe, die Chanel zum weltweit bekannten Modehaus machten: das Kleine Schwarze, das klassische Tweedjackett, die luxuriösen Handtaschen und natürlich das berühmte Parfum Chanel No. 5. Auch der rasante Wiederaufstieg des Modehauses unter Karl Lagerfeld wird in ausdrucksvollen Szenen geschildert. Gespickt mit eingestreuten Anekdoten und berühmten Zitaten wird dieses Bilder-Buch zu einem eleganten Juwel und einer wunderbar originellen Dokumentation der unvergesslichen Ära Coco Chanel."
Das Copyright für die Abbildungen im Buch, liegt bei dem Prestel Verlag


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Als Schlüsselmotiv des Hauses Chanel prägten Perlen den persönlichen Stil der Designerin. Chanel war der Überzeugung, dass Schmuck nicht dazu dienen sollte, um Reichtum zur Schau zu stellen, sondern um sich damit zu schmücken." S.118

Über Coco Chanel gibt es unzählige Bücher, die ihre Lebensgeschichte, meist sogar bis ins kleinste Detail, nacherzählen. Auch ich habe bereits ein etwas umfangreicheres Buch zu diesem Thema gelesen, das wirklich viele Aufschlüsse über die Person hinter der Weltmarke "Chanel" gibt. Und dennoch hat mich dieses kleine Buch magisch angezogen. Es funkelt und glitzert, besitzt sogar einen silbernen Farbschnitt. Und doch zeichnet es sich durch eine ganz besondere Eleganz aus. Ein erster Blick auf den englischen Originaltitel gibt zudem mehr Aufschluss über den Inhalt des wunderschön gestalteten Buches: "Coco Chanel. The Illustrated World of a Fashion Icon". Genau da liegt der Unterschied zu vielen anderen Büchern, denn hier wird Coco Chanels Leben in zahlreichen Illustrationen erzählt, die unheimlich ansprechend sind. Zugegeben, vielleicht eher überwiegend ansprechend für weibliche Leser, aber dennoch ist es einen weiteren Blick wert. Jede Seite ist wirklich liebevoll gestaltet, greift aber trotz der eigenen Interpretation und des eigenen Stils der Illustratorin, die klassische Eleganz der Marke auf. Ich persönlich finde den Lebenslauf der Designerin durchaus inspirierend und lesenswert, bin aber immer wieder etwas "traurig" darüber, dass sich diese Marke, die eigentlich dazu gedacht war, von jeder Frau getragen zu werden, zu einer Marke entwickelt hat, die eben nur noch exklusive Kunden aufnimmt. Natürlich spiegelt sich dieser "Chic" der Oberklasse auch in den Darstellungen wider. Schlanke Frauen, die in der noblen Einkaufsstraße mit Chanel-Taschen rumlaufen. Klar, das kann nicht ganz ausbleiben. Aber für mich war das auch kein notwendiges, negatives Kriterium, da die Illustrationen dennoch träumerisch wirken und man in Zusammenhang mit der Geschichte von Chanel, dem ganzen mit einer gesunden Portion Realismus entgegentritt.

"Der Anekdote nach hatte sie ihr üppiges Haar für einen Opernbesuch zu Zöpfen geflochten, als ihr Gasofen explodierte und sie mit Ruß überzog. Unerschrocken nahm Chanel eine Schere zur Hand und schnitt sich die Zöpfe ab. In ihren Worten: ´Eine Frau, die sich das Haar abschneidet, ihr dabei, ihr Leben zu ändern.´“  S.57

Das Hauptmerkmal liegt bei diesem Buch also ziemlich deutlich auf dem gestalterischen Zweig. Dennoch würde ich sagen, dass Leser, die nur kurz in den Lebenslauf der Designern reinschnuppern möchten, auch hier richtig sind. Es gibt durchaus viele Details, die mit eingebracht wurden, verzichtet wurde aber natürlich auch auf den ein oder anderen Fokus eines speziellen Lebensalters. Es ist eine gelungene Übersicht über die wichtigsten Punkte und ist zudem durchaus praktisch, wenn man das Wissen nur kurz auffrischen oder gegebenenfalls einer modeinteressierten Person ein schönes Geschenk machen möchte. Mir gefiel zudem auch der Aspekt, dass die Marke noch über Chanels Tod hinaus betrachtet wurde. So gibt es auch noch zusätzliche Informationen hinsichtlich der jetzigen Führung des Hauses durch Karl Lagerfeld und deren immer noch starke Wirkung auf die Modewelt. Denn seien wir mal ehrlich, jeder hat mindestens ein kleines Schwarzes zu Hause und weiß ganz genau, wem wir dies zu verdanken haben: Coco Chanel. Und ich bin immer wieder von ihr fasziniert, wenn ich von ihrer frechen und starken Art lese. Schnell entsteht nämlich der Eindruck, dass solche Marken, (starke) Frauen unterjochen und man als weibliche Modeinteressierte in ein Muster fällt, das als oberflächlich oder gar nicht "feministisch" genug gilt. Ich finde das ist ein großer Fehler (auch wenn es natürlich Gegenbeispiele gibt), denn wenn man das Buch liest, sieht man, dass Chanel für eine tragbare Mode für starke Frauen eingestanden ist und man sich entgegengesetzt der heutigen Ansicht, auch in schicken Anziehsachen gegen die Konkurrenz durchsetzen kann. Mode ist nun einmal ein Lebensgefühl, das jeden anders anspricht, aber dennoch finde ich hat Coco Chanel gezielt durch ihre modischen Fortschritte, den Frauen einen besonderen Weg geebnet.

"Alle aber wollten gern die Königstochter und das halbe Reich gewinnen, und sie ritten und sie glitten, aber alles umsonst." S.129


Kurz und knapp aber mit allen wichtigen Informationen und dazu zauberhaften Illustrationen, wird hier der Lebensweg und der Einfluss der Coco Chanel auf die Modewelt skizziert. Durchaus ein schönes Buch zum Verschenken oder zum immer mal wieder darin blättern, falls man sich inspirieren lassen oder sein Wissen über das Haus Chanel auffrischen möchte. 

Wer sich etwas gezielter mit dem Leben der Coco Chanel auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich auch den Bildband "Chanel: Ein Name - Ein Stil"


























Vielen Dank an den Prestel Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Gedankenschnappschuss: Ein wenig Leben

März 10, 2017






Wie ist das bei dir gewesen, Jude?« war er zu Beginn des Semesters manchmal gefragt worden, doch da war er bereits klug genug gewesen - er lernte schnell -, lediglich mit den Schultern zu zucken und lächelnd zu sagen: »Zu langweilig, um davon zu erzählen.« Er war erstaunt, aber auch erleichtert darüber, wie bereitwillig sie das akzeptierten, und dankbar für ihre Ichbezogenheit. Keiner von ihnen interessierte sich für die Geschichten der anderen; jeder wollte nur seine eigene erzählen." - S.128 aus "Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara

Knappe zweihundert Seiten habe ich derzeit erst von meiner aktuellen Lektüre "Ein wenig Leben" gelesen und kann meine Eindrücken kaum zurückhalten. Die Handlung selbst bewegt sich noch an der Oberfläche, es knistert und bröckelt vorerst nur. Die Umrisse der Protagonisten wurden gezeichnet und entfalten sich langsam. Was mich aber jetzt schon beeindruckt, ist die Schreibweise und die Zwischentöne, welche angeschlagen werden. Darin liegt so viel Nähe zum Leben und eine ganz besondere Reflektiertheit derer, die nicht vom ständigen Glück gezeichnet sind. Die paradoxe Zartheit der Aussagen ist für mich ebenso einzigartig. Wie kann etwas so Schmerzhaftes, so unschuldig klingen? Meine Post-its sind jedenfalls in Dauerbetrieb. Es ist so ein Buch, welches "gehyped" wird und dadurch den typischen Status des überschätzten Buches tragen könnte, für mich ist es derzeit aber eines der intensivsten Lektüren, auf deren Weiterlesen ich mich jedes Mal freue, wenn ich dazu greife und damit gleichzeitig bereit bin, von einer tiefen Traurigkeit getroffen zu werden...



Östlich der Sonne und westlich des Mondes (illustriert) von Kay Nielsen

März 06, 2017









(Original: "-" / 1914) TASCHEN Verlag: Bibliografie auf der Verlagsseite» , hrsg. von Noel Daniel, Übersetzer/in: -, 168 Seiten mit zahlreichen Illustrationen von Kay Nielsen, gebunden,  ★★★★() 4 bis 5 Sterne 

"Unglückliche Liebende, edle Prinzen, magische Winde, unterirdische Paläste, hohe Burgen und abscheuliche Trolle – Östlich der Sonne und westlich des Mondes ist eine klassische Sammlung skandinavischer Märchen, die seit ihrer Erstveröffentlichung Mitte des 19. Jahrhunderts zahllose Auflagen erlebt hat. Zu den schönsten zählt die Ausgabe von 1914, die der legendäre dänischen Künstler Kay Nielsen (1886–1957) im Stile von Aubrey Beardsley illustrierte, ein rares und von Sammlern begehrtes Meisterwerk der Kinderbuchillustration."
Das Copyright für die Abbildungen im Buch, liegt bei dem TASCHEN Verlag


MEINE MEINUNG | FAZIT

"Nun gab der Bär ihr eine silberne Glocke und sagte, wenn sie sich irgendetwas im Schloss wünsche, dann solle sie nur damit klingeln, alsdann würde sie es sogleich bekommen." S. 60

Märchen üben auf die meisten von uns eine eigene Faszination aus. Wundersame Wesen, bildhübsche Prinzessinnen und passenderweise dazu auch meist immer die zu Hilfe eilenden Prinzen, die als Retter fungieren. Obwohl viele Handlungsabläufe ähnlich sind, gibt es dennoch auffällige Anhaltspunkte, welche die Märchen je nach Region zu etwas besonderem machen. Und auch bei diesem Märchenband findet man einen Wiedererkennungswert, der das Buch zu einem kleinen Schatz macht. Insgesamt beinhaltet das Buch sechszehn nordische Sagen und Märchen und drei einleitende Texte, die sich mit der Entstehung des Originalbuches aus dem Jahr 1914, wie auch dem Illustrator Kay Nielsen befassen. Nicht zu unterschlagen sind dabei natürlich die fabelhaften und teilweise auch doppelseitigen Illustrationen, die dem Ganzen beigefügt wurden und das Leseerlebnis dadurch umso träumerischer gestalten. Die einleitenden Texte bieten einen guten Einstieg in die folgenden Märchen. Auffällig hierbei sind die immer wieder auftretenden Motive der verschiedenen Wesen, wie Trollen und anderen sprechenden Tieren, den Personifizierungen der verschiedenen Winde und eben dem üblichen Duo, bestehend aus Prinzessin und Prinz. So weiß man bereits zu Beginn in welche Richtung die Erzählungen gehen, es bleibt aber dennoch nie das Gefühl zurück, dass sich die Geschichten komplett doppeln. Besonders interessant an den Vorworten sind tatsächlich auch die Bezüge zu Kay Nielsen selbst und natürlich auch der Entwicklung der Buchkunst. So besteht dieses Buch nicht ganz allein aus den vorliegenden Märchen, sondern auch aus einer schönen Übersicht der wichtigsten Punkte, die man über die nordischen Geschichten und deren wichtigste Fortschritte wissen muss.

"´Kannst du mir denn nicht den Weg sagen, damit ich dich aufsuche?´ , frage sie. ´Denn das ist mir doch wohl erlaubt?´

       - ´Ja, das magst du gern´, sagte er, ´aber es  führt kein Weg dahin, denn das Schloss liegt östlich der Sonne und westlich des Mondes, und dahin kommst du nie.´“  S.63

Der Inhalt der Märchen im Zusammenspiel mit den Illustrationen ist wirklich ein wahres Kunstwerk. Die Texte entfalten eine ganz eigene Stimmung, verströmen aber eine deutliche Jugendstil-Präsenz und viele träumerische Elemente. Man hat tatsächlich das Gefühl, dass die Bilder funkeln und glitzern und einen mit ihrer eigenen Anziehungskraft in die Märchen hineinziehen. Für mich ist das ein sehr großer Pluspunkt, da es sehr zur Stimmung des Lesens beiträgt. Einige Märchen ähneln sich nämlich hinsichtlich der vorkommenden Namen, Gestalten und Abläufe so, dass es nett ist, durch die Bilder eine "Abgrenzung" zum vorherigen Text zu haben. Ebenfalls gut gelungen sind die vorkommenden, mittig angelegten Zitate, die immer mal wieder auftauchen. Es bildet ein rundum schönes Grundkonzept und lädt zum erkunden der nordischen Märchen ein. Was nun den gezielten Inhalt der Märchen angeht, war ich von einigen deutlich stärker angetan, als von anderen. Es wird nach einigen Kapiteln deutlich, dass viele Sagen auch von Wiederholungen leben. So geschieht manchmal ein und dieselbe Handlung, vielleicht ganze drei Mal in kurzem Abstand hintereinander. Damit gemeint sind Handlungen, die andeuten, dass der Prinz drei Frauen rettet und drei Trolle besiegt. Dieses wird aber eben auch dreimal genau gleich erzählt. Das sorgt manchmal dafür, dass man sich denkt, man könnte die Schritte leicht überspringen und würde trotzdem alles verstehen. Natürlich sollte man dies nicht machen, wenn man die Märchen genießen möchte, aber es verleitet an der ein oder anderen Stelle tatsächlich dazu. Die Übersetzung ist aber dennoch gut gelungen und leicht verständlich, auch wenn noch ältere Begriffe und Redewendungen auftauchen. Das sorgt aber im Gegenzug für den nötigen Charme der Märchen und hinterlässt einen speziellen Eindruck. Für alle, die am Anfang schon gerne wissen, worum es im jeweiligen Märchen geht, der ist mit den knappen Inhaltsangaben zu Beginn jedes Märchens gut aufgehoben. Auch hier ein netter Zusatz und ab und an auch ganz hilfreich.

"Alle aber wollten gern die Königstochter und das halbe Reich gewinnen, und sie ritten und sie glitten, aber alles umsonst." S.129


Ein nordisches Märchenbuch, welches durch seine wunderschöne und zauberhafte Gestaltung überzeugt. Die Illustrationen tragen zum Gesamteindruck, den größten Anteil bei, aber auch die informativen Texte der Vorworte sind lesenswert, um sich ein wenig mit der Entwicklung der nordischen Märchen und deren Verbreitung, wie auch Kay Nielsen auseinanderzusetzen. Die Märchen selbst enthalten zwar viele Wiederholungen und Ähnlichkeiten, sind aber dennoch ganz eigen und lassen den Leser in eine ganz träumerische Welt entgleiten.






Februar

März 03, 2017










Der Februar hielt so einige Überraschungen für uns bereit, nicht zuletzt durch die noch einmal winterlichen Tage zum Ende des Monats. Langsam sehnt man sich wieder nach wärmeren Tagen. Was uns jedoch nicht daran hindert, gute Bücher zu lesen. Auch im Februar haben sich einige Schätze gefunden, die ich in einem kleinen Überblick noch einmal reflektieren möchte. Außerdem habe ich auch wieder einige sehr interessante Blogbeiträge gefunden, die unbedingt Aufmerksamkeit bekommen sollten. Ansonsten wird dank des Wetters immer noch viel Tee getrunken und sich für die anstehende Hausarbeit vorbereitet. Plus Punkt hier: Die Hausarbeit dreht sich um "Bestseller", also mal ein ganz interessantes Thema.

Elif von "The Written Word" hat einen Beitrag über rassistisches Denken veröffentlicht, der viele Wahrheiten beherbergt. In den meisten Punkten stimme ich ihr daher auch zu. Was ich allerdings schwierig finde, ist die ganze Diskussion im Internet. Privat befasst man sich gefühlt sowieso schon den ganzen Tag mit solchen Themen, greift sie in dem Freundeskreis immer wieder auf und fragt andere, was sie von der Lage halten. So fällt es vielen auch schwer, sich auch noch im Internet damit auseinanderzusetzen. Auch ich finde es immer etwas "ungünstig", weil man sich schneller gegeneinander aufstachelt und es im Internet gerne einmal eskaliert, auch wenn die Bandbreite einer Botschaft natürlich größer sein kann oder ist. Dennoch finde ich den Beitrag wichtig und reiche ihn gerne weiter, denn Diversität sollte Normalität sein und auch in Büchern sollte Rassismus keinen Platz haben.

Passend dazu, um den unnötigen "Hass" in wirklich jeglicher Hinsicht zu stoppen, gefällt mir der Beitrag vom Blog "Lesen / Leben / Lachen", namens #Bloggerliebe. Eine wirklich tolle Aktion um auch mal mehr Harmonie innerhalb des Bloggerkreises herzustellen. An mir persönlich ging das wohl trendende, negative Auslassen, der Art und Weise wie Blogger ihre Blogs führen irgendwie vorbei, aber man kriegt natürlich häufiger mal kleine Sticheleien mit. Finde ich unpassend und auch einfach respektlos, weil man auf seinem persönlichen Blog natürlich alles so bloggen darf, wie man es gerne hätte, dazu zählt auch das Genre. Ich hoffe, dass die Aktion eine wirklich große Runde macht und sich jeder mal wieder eher auf sich selbst besinnt, statt auf anderen rumzuhacken. Man kann seine Zeit nämlich tatsächlich wirksamer gestalten...

Auch auf dem Blog "Umblättern" bin ich auf einen guten Beitrag gestoßen, der sich mit dem Weiterempfehlen von Literatur beschäftig und warum man besser reflektieren sollte, welche Bücher man aus welchen Gründen empfiehlt.

Was meine gelesenen Bücher betrifft, habe ich es auf ganze neun Bücher geschafft. Davon gehörten zwei noch zu meinem Uni-Seminar, die ich jeweils neu und re-readed habe. Die restlichen Bücher habe ich beinahe alle rezensiert, daher lasse ich wie immer die Links da, falls ihr mal reinschnuppern möchtet.

Durch das Anklicken des Titels gelangt ihr zur Rezensionsseite
 
» "Bestseller" von Klaus Modick Nicht rezensiert, aber dennoch gemocht. Hat etwas Leichtes, sehr Ironisches und unterhält den Leser ganz gut.

» "Die Insel der letzten Wahrheit" von Flavia Company Überraschend gut war dieses Büchlein. Ich habe es irgendwann mal in einem "Reduziert"-Stapel gefunden und spontan mitgenommen. Soweit ich weiß, ist es nur noch als Taschenbuch oder E-Book verfügbar. Es spielt aber wunderbar mit der Identität und Vergangenheit des Menschen. Im Mittelpunkt steht ein, auf einer einsamen Insel gestrandeter Mann, der sich plötzlich mit seinem scheinbaren Feind, versuchen muss, auf der Insel durchzuschlagen. Interessante Wendungen und kluge Überlegungen machen das Buch zu einem wirklichen Schatz.

» "Die Apokalypse" (übersetzt) von Kurt Steinmann Hach, was soll ich sagen. Ich liebe diese Ausgabe des Textes. Wunderschön illustriert bietet sie einen geeigneten Zugang zu dem sehr metaphorischen Text. Toll umgesetzt und auch sehr lesenswert. Ich werde sicherlich in mehreren Abständen immer mal wieder dazu greifen, um die Fragen, die mir offen blieben noch zu beantworten.

» "Lost for words" von Edward St, Aubyn (reread) Ein reread dieses Jahr galt diesem Buch, das sich mit der Vergabe eines Literaturpreises befasst. Das Kommitee scheint nicht ganz bei der Sache zu sein, kürt aber trotzdem munter drauf los. Sehr unterhaltsam!

» "The Terranauts" von T.C. Boyle Ein Buch, welches diesen Monat viel Aufmerksamkeit bekommen hat, war wohl dieses hier. T.C. Boyle ist mit einem neuen Roman zurück und begeistert auch wieder. Hier geht es um ein Team aus acht Wissenschaftlern, die in einem nachgestellten Ökosystem "überleben" wollen. Viele interessante Fragen bezüglich der Sehnsüchte der Menschen tauchen hier auf, genauso wie die sehr spitzen Andeutungen, an das Fehlverhalten der Menschen, egal ob im Bereich des "Ecosphere 2" oder außerhalb davon. Ich fands gelungen!

» "Melrose" von Edward St. Aubyn Ganze achthundert Seiten umfasst die Geschichte der Melroses in fünf Bänden. In diesem Buch wurden alle fünf vereint und bilden so ein "Melrose-Universum", wenn man so möchte. Obwohl ich überwiegend von den Intrigen und Spielchen der Upper Class mitgerissen wurde, gab es das ein oder andere Kapitel, das sich gezogen hat. Vielleicht sollte man zwischen den Büchern einige Pausen einlegen, um vor allem die manchmal langen Dialoge besser "aushalten" zu können. Die seelische Darstellung (vielleicht wegen der autobiographischen Anteile) ist wirklich gelungen und sorgt dafür, dass man Patrick Melrose ein wohlverdientes, gutes Leben wünscht.

» "Elefant" von Martin Suter Schön öfters erwähnt, daher halte ich mich etwas kürzer. Bereits "Lila, Lila" von Martin Suter hat mir wirklich gut gefallen. Die Geschichte rund um den kleinen rosa Elefanten hat mich ebenso fasziniert und überzeugt. Wichtige Denkanstöße und eine gesunde Portion Nähe zum alltäglichen Leben machen das Ganze zu einem Lesegenuss. Im Vordergrund steht dennoch immer die Frage: Wie weit darf Wissenschaft gehen und wann sollte Schluss sein?

» "The Pearl" von John Steinbeck Ein Klassiker. Ein sehr guter und wichtiger Klassiker. Thematisiert die Gier der Menschen und deren moralische Verwerflichkeit, wenn es darum geht, Menschen aufgrund ihrer finanzielle Lage nicht zu helfen. Würde ich jedem empfehlen und auch immer wieder lesen.

» "Schriftstellerinnen!" von Katharina Mahrenholtz und Dawn Parisi Eines meiner neuen Lieblingsbücher. Wunderbar unterhaltsam und zudem sehr informativ. Schriftstellerinnen der verschiedensten Genres und Epochen sind hier vereint. Zusätzlich gibt es immer "Zwischenseiten", die die Infos etwas auflockern. Ein guter Grund, sich mal näher mit Büchern toller Schriftstellerinnen zu beschäftigen!

Gab es im Februar Beiträge die euch angesprochen haben oder gerne unterstützt? Welche Bücher haben euch begeistern können?